Leben im Alter wird zu immer wichtigerem Thema

Die SPD-AG 60+ lud zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?»

Viele Menschen, die ein ganzes Leben lang erwerbstätig gewesen sind, fallen mit der Verrentung von einem Tag auf den anderen in ein tiefes Loch. Wie aber kann dies verhindert werden? Dieser wichtigen Frage in einer statistisch immer älter werden Gesellschaft widmete sich die Arbeitsgemeinschaft 60+ des SPD-Ortsvereins in Hürth am 14. März mit der Veranstaltung: «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?» Als Referenten hatte die SPD-AG 60+ Wilbert Gregor eingeladen. Der ehemalige Mitarbeiter der ver.di-Landesleitung in Nordrhein-Westfalen ist selbst verrentet und schult in Vorträgen Senioren, Arbeitnehmer und Betriebsräte in Bezug auf Strategien, die den harten Bruch nach dem Arbeitsleben verhindern können.

Gegen den Begriff Ruhestand

Nach Begrüßung der Anwesenden übergab Margit Reisewitz, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hürth, an den Redner. Der begann seinen Vortrag mit einer künstlerischen Darstellung der zehn Lebensalter des Mannes. Der Druck aus dem 19. Jahrhundert zeigte nicht nur die Entwicklung vom Säugling zum Greis, sie stellte den Mann auch als den Ernährer und Gestalter der Familie in den Vordergrund. In der heutigen Zeit, in der sich das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft verändert hat, sei das berufliche Umfeld größtenteils verantwortlich für Prestige, Selbstwertgefühl und soziale Anbindung, führte Gregor aus. Umso schwerwiegender sei es, wenn mit der Rente dieses Umfeld wegfalle. Dies habe oft sogar Folgen für körperliche und geistige Gesundheit sowie die Lebenserwartung der Ruheständler, ließ Gregor wissen. Der Referent wandte sich an dieser Stelle auch entschieden gegen den Begriff Ruhestand. Er empfände ihn als problematisch, weil er Passivität und Leere suggeriere.

Wilbert Gregor

Arbeitgeber nicht interessiert

Die Strategien, die Gregor vorstellte, um sein Leben auch nach dem Beruf bewusst zu gestalten, fasste er unter zwei Überschriften zusammen: «Aktiver Erhalt der geistigen und körperlichen Fitness» sowie «Frühzeitige Vorbereitung auf den letzen Arbeitstag und die Zeit danach». Vor allem zum letzten Punkt gebe es derzeit noch wenig Forschung, ließ er wissen und unterstrich, dass sich Arbeitgeber dafür auch kaum interessierten, weil ihnen dies wirtschaftlich keinerlei Vorteile biete. Gregor empfahl deshalb, sich mindestens ein halbes Jahr vor Ablauf der Berufstätigkeit auf die Zeit danach vorzubereiten. Allerdings sei es empfehlenswert, viel früher zu starten und sich kontinuierlich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Dazu zählten nicht nur Vorsorgemaßnahmen, ein regelmäßiges Fitnessprogramm, eine ausgewogene Ernährung und maßvoller Umgang mit Alltagsdrogen, sondern auch anhaltende Lernaktivität, Pflege sozialer Kontakte sowie bewusst gelebte Zärtlichkeit bis ins hohe Alter.

„Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer Bewusstseinsveränderung.“

Margit Reisewitz dankte im Anschluss an den Vortrag dem Redner und zeigte sich sehr zufrieden mit den Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum: „Ich freue mich, dass trotz des ungemütlich stürmischen Wetters so viele interessierte Bürgerinnen und Bürger zu dieser Veranstaltung gekommen sind. Trotz der Anhebung des Rentenalters wird die nachberufliche Lebensphase mit steigender Lebenserwartung länger. Diese Lebensphase sollte bewusst und frühzeitig vorbereitet werden, dafür muss aber erst einmal ein Bewusstsein geschaffen werden. Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer solchen Bewusstseinsveränderung, die in den kommenden Jahren aus der Gesellschaft in die Politik und Verwaltung getragen werden muss. Die SPD-AG 60+ bleibt am Ball, damit dies auch geschieht

Die Grundrente: ein Schritt in die richtige Richtung

Sehr erfreulich ist, was in den letzten Tagen durch die Presse ging: die SPD will eine Grundrente, die diesen Namen auch verdient. Wer mindestens 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, soll eine Rente beziehen, die deutlich über der Grundsicherung liegt. Dabei wird die Rente um einen Zuschlag erhöht, wenn mindestens 35 Jahre Pflichtbeitragszeiten nachgewiesen werden können, dazu zählen auch Kindererziehung und Pflege von Angehörigen. Damit soll denjenigen, die ein Leben lang gearbeitet haben, Respekt und Anerkennung gezollt und Altersarmut verhindert werden.

Weshalb lehnt die SPD die Bedürftigkeitsprüfung ab?

Der Rentenanspruch nach einem Arbeitsleben ist keine Fürsorgeleistung, sondern eine Berechtigung, die durch Erwerbstätigkeit erworben worden ist. Deshalb ist es unlauter, die Zahnarztgattin (die im übrigen auch gearbeitet haben muss) vorzuschieben, um von 3 bis 4 Millionen Menschen den Nachweis zu verlangen, dass sie bedürftig sind. Erfahrungsgemäß werden viele aus Scham sich dieser Prüfung nicht unterziehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass von den zu niedrigen Renten 75 Prozent Frauen betroffen sind, die in Teilzeit gearbeitet haben, weil sie Kinder erzogen haben und oft nach der Babypause keine Vollzeitstelle gefunden haben.

Die Grundrente, wie sie die SPD vorschlägt, richtet sich auch nicht gegen die Jüngeren, sie wird aus Steuermitteln bezahlt,weil sie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Wenn mehr Tarifbindung und bessere Lohnentwicklung geschaffen werden, wie sie die SPD anstrebt, werden die Kosten für die Grundrente in den kommenden Jahrzehnten nicht ansteigen.

Die Grundrente kommt in keiner Weise zu früh: Es wird immer wieder behauptet, Altersarmut sei noch kein zahlenmäßig relevantes Problem, da nur 3% der Senioren im Augenblick auf Grundsicherung angewiese seien. Allerdings hat man bei dieser Berechung Rentner und Pensionäre in einen Topf geworfen. Untersucht man nur die Gruppe der Rentner, sind 19,5% von ihnen von Altersarmut bedroht, das ist jeder Fünfte (Süddeutsche Zeitung, 21.2.19). Auch hat die Armutsgefährdung seit Jahren zugenommen; zehn Jahre zuvor war nur jeder Siebte betroffen. Also ist es Zeit, dieses Problem anzugehen.

Sicher lassen sich noch weitere Verbesserungen bei der gesetzlichen Rente denken. Dies muss die Aufgabe sein, die die SPD-Rentenkommissionen in NRW und Berlin erarbeiten müssen.

Wenn nun die Grundrente von CDU/CSU als nicht finanzierbar dargestellt wird, erhebt sich die Frage, warum die völlige Abschaffung des Solidaritätszuschlags finanzierbar sein soll, die genauso viel kosten wird? Allerdings ist hier die Zielgruppe eine anderen, nämlich die Topverdiener und nicht die Geringverdiener. Hier liegen die Prioritäten von CDU/CSU, die sie durch vorgeschobene Argumente gegen die Grundrente verschleiern wollen.

5 Jahre Leseclub Fridolin

5 Jahre Leseclub Fridolin an der Deutschherrenschule Hürth
Ein Grund zum Feiern

Seit November 2013 gibt es unseren Leseclub, der von der Stiftung Lesen ins Leben gerufen und seitdem tatkräftig unterstützt wurde. Leseclubs sind Teil des Bundesprogramms „Kultur macht stark, Bündnisse für Bildung“, das Projekte für Kinder fördert.

Wir erhielten als Erstausstattung kistenweise Bücher, Spiele, CDs, Filme Bastelmaterial, aber auch unser rotes Sofa, Regale, einen CD-Spieler und ein Tablet.

Von Anfang an treffen wir uns dreimal die Woche für zwei Stunden und lesen, malen, basteln und spielen mit den Kindern. Bis zu 50 Kinder kommen pro Woche zu uns, oft hören wir, dass sie gerne kommen. Wir sind sieben Betreuerinnen und Betreuer, also in jeder Gruppe doppelt besetzt. Als Teil der Angebote der Offenen Ganztagsschule und Kooperationspartner des Kinderschutzbundes sind wir eingebettet in die Struktur der Schule und Kommune.

Nach der ersten Förderphase, die am 31.12.17 endete, bewarben wir uns erneut um die Förderung durch die Stiftung Lesen und erhielten den Zuschlag schon bevor die Bewerbungsfrist endete. Wir führten das auch darauf zurück, dass wir jetzt neue Angebote machen konnten, z.B. kleine naturwissenschaftliche Experimente und Musik. Seit neuestem können Kinder bei uns den Umgang mit dem kleinen Computer Calliope lernen.

Wir wollten unser fünfjähriges Bestehen feiern und luden deshalb Gäste ein:

Die beiden MdBs Herrn Dr. Kippels und Herrn Dietmar Nietan, die Stadtspitze mit Herrn Breuer und Schuldezernent Herrn Menzel; Kinderschutzbund, Schulleitung, OGS und Presse. Aber ganz besonders wichtig war es uns, die Stiftung Lesen bei uns zu sehen, und wir hatten mit dem Hauptgeschäftsführer Herrn Dr. Maas einen hochrangigen Vertreter der Stiftung Lesen. Fast war unser Raum zu klein für Betreuer, Kinder und Besucher.

EIn schönes Bild unserer Ehrengäste findet man in dem Artikel des Hürther Wochenendes.

In der hinteren Reihe von links nach rechts Bürgermeister Breuer, MdB Dr. Kippels, MdB Dietmar Nietan, Dr.Maas von der Stiftung Lesen und Karolin Königsfeld vom Kinderschutzbund Hürth.

Die Kinder und die Schulleiterin Frau Schiel begrüßten die Gäste mit dem Schullied: „Wir sind die KInder von der DHS“

Die drei Gruppen des Leseclubs zeigten ganz unterschiedliche Aktionen.

Die Dienstagsgruppe las aus dem Buch unserer Betreuerin, Frau Filiz Kücükaksu (Bildmitte), die selbst Kinderbuchautorin ist, vor.

Die Mittwochsgruppe nahm das Kamishibai (japanisches Erzähltheater), um zwei selbstgeschriebene Geschichten, die die Kinder illustriert hatten, vorzustellen. Das Kamishibai ist ein Geschenk der Stiftung Lesen, die auch 15 fertige Bildgeschichten geschickt hat.

Ob der Ehrengast (nicht im Bild) die Frage beantworten kann?

Die Donnerstagsgruppe ging der Frage nach, ob Schneemänner tauchen können. Nachdem die Besucher gefragt worden waren, gaben die Kinder die Antwort mit einem Teelicht und einem Bierglas.

Am Schluss zeigten Schüler unter Anleitung von Rolf Reisewitz, wie der Computer Calliope programmiert wird, um eine Botschaft zu bringen.

erklären
ausprobieren
programmieren

 

 

 

 

Herr Dr. Maas von der Stiftung Lesen zeigte sich beeindruckt. Er lobte die Arbeit unseres Leseclubs und ermunterte uns, in unseren Bemühungen fortzufahren. Auch die anderen Ehrengäste würdigten unseren Leseclub und sprachen ihren Dank aus.

Wir freuen uns über dieses Lob und fühlen uns bestätigt.

An dieser Stelle möchte ich persönlich allen Beteiligten meinen Dank aussprechen für Engagement und Unterstützung: unseren Betreuerinnen und Betreuern, die jede Woche in den Leseclub kommen; der Stiftung Lesen, die uns Materialien und Fortbildungen gibt; der Schulleitung, die immer ein offenes Ohr hat; der OGS, die die Gruppen organisiert und uns in Alltagsdingen hilft; dem Kinderschutzbund, der mit uns zusammenarbeitet. Zu guter Letzt bedanken wir uns bei unseren Gästen, die teilweise weite Wege auf sich genommen haben, um zu uns zu kommen.

Wir starten zuversichtlich in die nächsten fünf Jahre.

Zypern ist ein besonderes Land

Zypern ist die drittgrößte Mittelmeerinsel und gehört geographisch zu Asien, fühlt sich aber Europa verbunden. Dies wurde uns deutlich, als wir den Jahreswechsel in Limassol verbrachten.

Ausgrabungsstätte Chirokitia – Jungsteinzeit

Nicht nur die Spuren aus der Jungsteinzeit und dem Mittelalter sind interessant, sondern auch die aktuelle politische Situation gibt Anlass zu Gesprächen.

Eines dieser Gespräche fand am 3.1.19 mit dem Europa-Abgeordneten Costas Mavridis und Georgios Papaiacovou als Übersetzer statt, der unserer Reisegruppe das Thema Europa und Zypern näher brachte. Er begann mit einem flammenden Bekenntnis zu Europa , besonders zur Rechtsstaatlichkeit (Rule of Law), die ein Alleinstellungsmerkmal Europas gegenüber vielen Staaten der Welt ist.

Costas Mavridis (m) Georgios Papaiacovou (r)

Er erläuterte dann die Situation Zyperns, das eine geteilte Insel mit einer geteilten Hauptstadt ist. Costas Mavridis und auch Georgios Papaiacovu stammen beide aus dem Norden Zyperns und beide schilderten, wie sie die Intervention der Türkei im Sommer 1974 erlebt haben. Diese Erfahrung ist auch nach fast 45 Jahren nicht verwunden; Costas Mavridis schilderte uns, dass es für ihn schwer war, sein Geburtshaus zu besuchen, das jetzt von türkischen Zyprioten bewohnt wird. Denn nach der Invasion wurde jeder dritte Zypriote zum Flüchtling im eigenen Land, 200 000 griechische und 60 000 türkische Zyprioten verließen ihre Heimat und brauchten eine neue Unterkunft.

Bis heute ist das Trauma von 1974 nicht überwunden, die vielen Versuche, eine Einigung herzustellen, sind gescheitert. Am bekanntesten ist der Annan-Plan der Vereinten Nationen von 2004 mit zuletzt 6000 Seiten, der jedoch von den griechischen Zyprioten mit 76% abgelehnt wurde. Laut Costas Mavridis war der Hauptgrund dafür, dass die Türkei ihr Interventionsrecht behalten sollte. Auch die jüngsten Verhandlungen sind im Juli 2017 ergebnislos geblieben.

Seit dem 1. Mai 2004 ist Zypern Mitglied der Europäischen Union. Die Hoffnung, dass sich die Türkei an die EU annähert und dadurch eine Wiedervereinigung ermöglicht wird, hat sich nicht erfüllt. Ein neuer Konfliktstoff ergibt sich aus den Erdgasvorkommen, die im Meer südlich von Zypern entdeckt worden sind und an denen die Türkei Anteil haben will.

Wie kam es nun zu dieser verfahrenen Situation?

Im Sommer 1974 putschte die zyprische Nationalgarde gegen den Erzbischof und Präsidenten Makarios III mit dem Ziel der Enosis, der Vereinigung der Insel mit Griechenland. Makarios wurde zwar gestürzt, aber der Putsch scheiterte. Trotzdem intervenierte die Türkei und griff den Norden der Insel an. Seitdem besteht die Teilung der Insel mit der Republik Zypern im Süden und der Türkischen Republik Nordzypern, die aber nur von der Türkei als Staat anerkannt ist.

Was das Zypernproblem praktisch bedeutet, hat unsere Reisegruppe zweimal erfahren, als wir die „Grüne Linie“ überschritten. So heißt die Demarkationslinie, die den Norden vom Süden trennt, 180 km lang und mehrere Kilometer breit (Pufferzone). Am Grenzübergang werden die Pässe im Bus eingesammelt, die Reiseleiterin gibt sie zur Kontrolle an griechische Grenzbeamte. Überwacht wird die Grenze von Uno-Soldaten, die seit 1964 im Land stationiert sind, um Feindseligkeiten zwischen den Volksgruppen zu verhindern.

Nach der Passkontrolle auf griechischer Seite erfolgt dasselbe Vorgehen auf türkischer Seite. Eine halbe Stunde Wartezeit hat das Ganze gedauert. Zusätzlich wird jeder Reisegruppe ein türkischer Beobachter zugesellt, der mithört, was die Reiseleitung sagt. Es soll schon Verhaftungen von Reiseleitern gegeben haben, die unvorsichtig in ihrer Wortwahl waren.

Beeindruckt waren wir am Schluß unseres Gespräches mit Costas Mavridis, als er eine gerechte Lösung des Zypernproblems forderte, für alle Zyprioten, aber besonders für die junge Generation.

Das Zypernproblem ist eine Herausforderung für Europa, eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht, trotzdem sollte es nicht von der Agenda verschwinden.

5 Jahre Jugendschöffin – eine wichtige Zeit für mich

Jugendschöffen haben eine besondere Aufgabe

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, damit geht auch die Wahlperiode 2014-1018 zuende, in der ich als Jugendschöffin berufen war. Schöffen sind ehrenamtliche Richter in der Strafgerichtsbarkeit, die dieses Amt mit einem hauptamtlichen Richter versehen. Schöffen dienen als Bindeglied zwischen Staat und Bürger. Jeder deutsche Staatsbürger kann innerhalb bestimmter Altersgrenzen Schöffe werden. Weitere Voraussetzungen sind Unbescholtenheit, Beherrschung der deutschen Sprache und Gesundheit. Mitglieder der Exekutive (z.B. Polizisten, Regierungsmitglieder) oder Judikative (Richter, Staatsanwälte) dürfen keine Schöffen sein.

Das Auswahlverfahren wird durch die Gemeinde vorgenommen, in der derjenige wohnt, der sich für das Schöffenamt interessiert. Eine Vorschlagsliste, die von verschiedenen Organisationen zusammengestellt werden kann, wird vom Stadt- oder Gemeinderat verabschiedet. Im Fall der Jugendschöffen verabschiedet der Jugendhilfeausschuss die Liste. Falls keine Einsprüche erfolgen, wird die Liste an das zuständige Amtsgericht (in meinem Fall also Brühl) weitergeleitet. Nun entscheidet der Schöffenwahlausschuss mit einem Amtsrichter/Jugendrichter, einem Verwaltungsbeamten und 7 kommunalen Vertrauenspersonen über die Berufung der Hauptschöffen.

Ich trat also mein Amt 2014 an. Die Termine der Sitzungen werden ein Jahr im voraus bekanntgegeben. Sie fanden aber nicht jeden Monat statt, dauerten auch unterschiedlich lang. Die längste zog sich über einen ganzen Tag hin. Bei dringenden anderen Terminen kann man sich vorher schriftlich entschuldigen. Beim Jugendschöffengericht sind zwei Schöffen und ein Richter eingesetzt. Vor der Sitzung werden die Schöffen vom Richter im Nebenraum in den Fall eingeführt, eine Akteneinsicht gibt es aber nicht, sie ist nicht vorgesehen.

Mit dem Betreten des Sitzungssaals durch den Richter und die Schöffen beginnt die Verhandlung. Es werden die Personalien der Angeklagten festgestellt. Danach beginnt die Beweisaufnahme, in der sich die Angeklagten äußern können. Auch die Schöffen können Fragen stellen. Nach der Beweisaufnahme folgen die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Eine Besonderheit im Jugendstrafrecht ist, dass die Jugendgerichtshilfe oder Jugendhilfe im Strafverfahren (JuHiS) um Stellungnahme gebeten wird. Diese Stellungnahme fußt auf Gesprächen mit den straffällig gewordenen Jugendlichen oder Heranwachsenden, in denen die Persönlichkeit der Täter, ihre sittliche und geistige Reife, ihre Lebens- und Familienverhältnisse sowie die Tathintergründe besprochen und eingeschätzt werden. Die Mitarbeiter der JuHiS geben eine Prognose über das weitere Verhalten der Jugendlichen ab.

Nachdem alle Parteien gehört worden sind, zieht sich das Gericht zur Beratung zurück. Dabei werden die vorgetragenen Fakten und die Eindrücke, die die Angeklagten (ggfs auch Zeugen) gemacht haben, bewertet. Danach wird ein Urteil gefällt. Die Schöffen haben dabei dieselben Stimmrechte wie der Richter.

Nach der Beratung begibt sich das Gericht wieder in den Verhandlungsraum, wo das Urteil im Stehen verkündet wird. Die Urteilsbegründung erfolgt dann im Sitzen. Sie kann durchaus länger dauern. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung haben die Möglichkeit der Revision.

Was sind das nun für Anklagepunkte, die im Jugendschöffengericht verhandelt werden? Die meisten Straftaten betreffen Nötigung, Erpressung, Körperverletzung, Diebstahl, Drogenhandel. In Hürth gab es 2017 291 Fälle, 213 der Angeklagten waren männlich. Die Strafen unterscheiden sich jedoch vom Erwachsenenstrafrecht. Das Jugendstrafrecht stellt den erzieherischen Aspekt in den Mittelpunkt. Maßnahmen werden ergriffen, die ein erneutes delinquentes Verhalten verhindern sollen. An erster Stelle stehen hier die Ableistung von Sozialstunden, Teilnahme an Verkehrskursen, Anti-Gewalt-Training, Betreuungsweisung sowie Täter-Opfer-Ausgleich. Auch Geldbußen sind möglich, in einigen Fällen auch Arrest. Bei den meisten Tätern scheint dieses Vorgehen zu funktionieren, Wiederholungstäter habe ich selten erlebt.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Jugendgerichtshilfe die Jugendlichen auch nach dem Urteil weiter begleitet. Sie hat nicht nur die Aufgabe, bei der Erfüllung der Auflagen und Weisungen zu helfen und diese zu überwachen. Aber auch bei Schwierigkeiten, die der Jugendliche durch das Strafverfahren in der Familie, Schule oder Arbeitsstelle bekommen könnte, hilft die JuHiS, so dass die Betreuung nicht mit der Urteilsverkündung endet.

Die Aufgabe eines Jugendschöffen ist sehr interessant, sie verschafft Einblicke in das Handeln Jugendlicher und in das Jugendjustizsystem – und es macht nachdenklich.

 

MINT-Förderung in Hürth ja! – Aber richtig!

Der Bürgermeister gibt allzu oft Studien in Auftrag, die nicht die erwartete Qualtität haben.
Z.B. enthielt die Organisationsuntersuchung von Rödl & Partner 2017 erhebliche fachliche Mängel, die auch heute noch die Arbeit erschweren. Ein Schulentwicklungsplan war so mangelhaft, dass er nicht verabschiedet werden konnte. Und nun möchte er ein Gutachten in Auftrag geben, „ob und wie mehr mathematisch-naturwissenschaftlicher Unterricht vermittelt werden kann“.

Was passiert in den Schulen in Sachen MINT-Förderung in den nächsten ein bis zwei Jahren durch diesen Auftrag? – Nichts!
Erst danach könnten weitere Ausgaben positive Wirkungen erzielen. Und wenn dieses Gutachten Rödl-Qualität haben sollte, sind Zeit und ungefähr 50.000 Euro verloren.

Wer sich auf den Homepages unserer Schulen umsieht, wird erfreut sein, was sich bei uns im MINT-Bereich tut.

Wir haben hier viele engagierte, kompetente Lehrer, die ihre Schüler kennen, die wissen, über welche Ressourcen sie verfügen und welche fehlen. Und Sie kennen Methoden und Ressourcen, die erfolgreicher sind als üblich.

Z.B. wurde die Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ vom Ernst-Mach-Gymnasium nach Hürth geholt, ein Zeichen, dass die langjährigen, viel versprechenden Ideen von Prof. Beutelspacher aus Gießen sehr wohl bekannt sind. (mehr dazu)

Das Albert-Schweitzer-Gymnasium ist Mitglied im MINT-EC-Netzwerk (mehr darüber hier)

Und die Liste der Kooperationspartner unserer Hauptschule liest sich wie das „who is who“ der Hürther Wirtschaft. Und sogar das Institut für Chemie und Didaktik der Universität zu Köln unterstützt die Schule mit dem Besuch des Schülerlabors Elke sowie mit Lehr-Lernforschung.  (mehr)

Die SPD hatte im Schulausschuss gefordert, in einem Sofortprogramm die Schulen zu fördern. Dafür gab es im Ausschuss leider keine Mehrheit.

Wir freuen uns, dass der Bürgermeister etwas für die MINT-Fächer tun möchte! Das sinnvollere Vorgehen ist aber sicher folgendes:

  • Wenn ein Gutachten in Auftrag geben werden soll, dann nicht unter der falschen Flagge „MINT“. Zunächst sollte der Schulentwicklungsplan verabschiedungsreif gemacht werden. Dass dabei auch MINT betrachtet werden kann, versteht sich von selbst.
  • Wenn es darum geht, mehr Unterricht in MINT-Fächern zu ermöglichen, also mehr Lehrer einzustellen, ist dies Aufgabe des Landes. Hier könnten die schulpolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen im Landtag hilfreich sein.
  • Wenn wir in einem Sofortprogramm bald etwas verbessern möchten, fragen wir doch die, die es am besten wissen: die Schulleitungen und die engagierten Lehrer!

Endlich! Die SPD gründet die Rentenkommission!

Heute am 2.12.18 war Sebastian Hartmann, der Vorsitzende der NRW SPD zu Gast beim Seniorenfrühstück, das Ulli Knab, Vorsitzender der AG 60+ in Troisdorf organisiert hatte.

Viele Genossen waren der Einladung gefolgt, nicht nur Personen aus dem Rhein-Sieg-Kreis.

In seiner Rede forderte Sebastian Hartmann von der SPD klare Antworten auf die Fragen der Bürger, gleichzeitig fand er aber auch aufmunternde Worte. Er zeigte sich optimistisch, dass die SPD wieder punkten könne, wenn sie sich klarer vom politischen Gegner abgrenze. In der folgenden Fragerunde wurden viele Themen angesprochen wie Dieselskandal, Pflegenotstand, Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung u.v.m..

Ich stellte ihm die Frage, wo denn die Rentenkommission von der Bundes-SPD bleibe, da es ein unhaltbarer Zustand sei, dass ein Jahr nach dem Bundesparteitag in Berlin alle Anträge, die sich mit Rente beschäftigten, in eine Kommission verwiesen wurden, aber jetzt unbearbeitet in der Schublade lägen. Die Antwort war überraschend: Die Kommission sei gegründet und er sei Mitglied. Das war wirklich ein Adventsgeschenk! Diese Kommission muss jetzt die SPD-Position zur Rente klären. Es gilt, die vielen Anregungen und Beschlüsse der Basis zu prüfen und ein Konzept zu erarbeiten, das die gesetzliche Rente stärkt und zukunftsfest macht, so dass Altersarmut eingedämmt werden kann. Wir bleiben dran an diesem Thema!

Europa-Russland: Frauen für den offenen Dialog

Am 25./26.11.18 fand in Köln das erste russisch-deutsche Frauentreffen mit dem Titel: „Europa-Russland. Frauen für den offenen Dialog“ statt. Initiatorin auf russischer Seite war die Sozialdemokratische Union der Frauen Russlands, die Vertretungen in 51 Regionen Russlands hat. Zu dem Treffen waren 20 russische Frauen angereist, die in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft aktiv sind; es waren sowohl Bürgermeisterinnen, Stadtverordnete als auch Professorinnen und Geschäftsfrauen vertreten.

Am 26.11.18 gab es ein Treffen im Kölner Business-Club Rotonda. Zu den russischen Gästen gesellten sich Frauen mit deutsch-russischen Wurzeln, die beim Übersetzen halfen, sowie deutsche Frauen.

Zu Beginn begrüßten die beiden Organisatorinnen auf deutscher Seite, Frau Christina Röttgers und Frau Marina Schneider, die anwesenden Frauen und betonten die Besonderheit des Treffens. Dann stellte Frau Röttgers die kulturellen Unterschiede zwischen Russland und Deutschland heraus, wobei sie besonders zwei Dimensionen hervorhob: Machtdistanz und Individualismus. In beidem unterscheiden sich Russland und Deutschland erheblich, während in Russland die ungleiche Verteilung von Macht eher akzeptiert wird als in Deutschland, legt man in Russland mehr Wert auf die Gruppe als auf das Individuum.

Es folgten Vorträge über die Sozialdemokratische Union der Frauen Russlands, die ein Teil der Partei Gerechtes Russland (Just Russia) ist. In der Staatsduma hat diese Partei nur 23 Sitze (von 450). Weitere Vorträge beschäftigten sich mit Frauen in der Wirtschaft und mit Migrationsprozessen.

An Gruppentischen wurden dann die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Frauen in der russischen Politik und Gesellschaft diskutiert. Es kamen z.B. die Unterschiede in der öffentlichen Kinderbetreuung, der staatlichen Reaktion auf Migrationsprozesse und der Rolle der Frauen in der Gesellschaft zur Sprache.

Nach Imbiss und Foto klang die Veranstaltung mit dem Austausch von Geschenken aus. Diese Gespräche waren ein erster Aufschlag, um sich über die verschiedenen Lebenswelten auszutauschen. Nachfolgeveranstaltungen in Kaliningrad und Deutschland sind in Planung.

Mich hat besonders gefreut, dass ich eine ehemalige Schülerin wiedertraf, die sich als Übersetzerin einbrachte. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Rückblick und Ausblick – die AG 60+ der Hürther SPD präsentiert sich (Erweiterung)

Die AG 60+ der Hürther SPD stellt ihr Programm für 2019 vor.
(wegen des großen Zuspruchs gibt es einige Änderungen)

Am 21.11.18 stellte die AG 60+ der Hürth SPD ihr Jahresprogramm für 2019 vor. 60 Personen waren der Einladung in die Gaststätte Zur Deutschen Ecke in Berrenrath gefolgt, der Saal war fast zu klein.

Zu Beginn gab Margit Reisewitz einen kurzen Rückblick auf die Veranstaltungen zum Wohnen, zur Rente, zur Sicherheit  und dem Ehrenamt sowie der Mehrtagesfahrt nach Magdeburg.

Danach erläuterte Lothar Lax die Ziele, die nächstes Jahr angesteuert werden sollen.Wir haben wegen der großen Nachfrage nun zwei Termine

  • Die Fahrten beginnen am 10.4.19 mit einer Tagestour zum Von-der –Heydt-Museum in Wuppertal. Wegen Umbauarbeiten im Museum haben wir einen geänderten Termin. Wir fahren am Di., 07.05.2019
  • Am 17.5.19 können der Chemiepark Knapsack und das Ersatzbrennstoffkraftwerk besichtigt werden,
  • dann geht es am Mi 12.6.19 und am  Do 13.6.19 zur Gartenparkanlage nach Appeltern/NL. Wir haben wegen der großen Nachfrage nun zwei Termine.
  • Am 2.7.19 folgt eine Schiffsstour auf dem Rursee mit Besuch in Einruhr und Monschau. Durch einen kleinen Zusatzbus können mehr Menschen mitfahren.
  • Abgerundet wird das Programm mit der Fahrt nach Bochum zum Bergbaumuseum am 7.9.19.
  • Am  28.11.2019  besuchen wir außerdem den Weihnachtsmarkt in Hattingen.  Der Fahrpreis beträgt 20,00 €

Die AG 60+ wird auch Info-Veranstaltungen machen;

  • am 14.3.19 wird Wilbert Gregor von der Gewerkschaft Verdi Fragen zum Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand erörtern.
  • Außerdem ist eine Veranstaltung zur gesetzlichen Rente mit Dr. Tim Köhler-Rama geplant. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Mehr Sicherheit durch Ordnungspartnerschaften- leider nicht mit CDU und den Grünen

Am 2.11.18 stellte die SPD-Keistagsfraktion, vertreten durch Dierk Timm und Hans Krings, ihr Konzept für flächendeckende Ordnungspartnerschaften vor. Es handelt sich hierbei um den Vorschlag, die Ordnungsdienste der Städte durch zusätzliches Personal zu stärken, das zur Hälfte vom Kreis finanziert wird. Diese neuen Mitarbeiter sollen in dreimonatigen Schulungen auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, soll es eine einheitliche Dienstkleidung und Fahrzeuge geben. Die Kosten sollen 2019 bei 800 000, in den Folgejahren bei 1,6 Mio Euro liegen. Geplant sind eine Intensivierung der Außendiensttätigkeit der Ordnungsämter sowie gemeinsame Schwerpunktaktionen mit der Kreispolizeibehörde.

v.l.n.r.: Hans Günter Eilenberger (Frechen), Hans Krings, Margit Reisewitz (Hürth), Andreas Lipp (Kerpen), Dierk Timm und Dieter Freytag (Brühl).

Als Vorbild für diese Vorschläge dient die Zusammenarbeit von Kreis und Kommunen im Oberbergischen Kreis, die es seit Sommer 2017 gibt und an der sich bisher 12 Städte und Gemeinden beteiligen.

Beim Pressetermin am 2.11.18 in Brühl machte Bürgermeister Dieter Freytag deutlich, dass der verstärkte Einsatz des Ordnungsdienstes Probleme auf dem Balthasar-Neumann-Platz beseitigt hat. Für Hürth könnte durch die verstärkte Zusammenarbeit von Ordungsdienst und Polizei das Problem der Geschwindigkeitsküberschreitungen auf der Hans-Böckler-Straße beseitigt werden.

Der Antrag der SPD-Kreistagsfraktion zum Sicherheitsbündnis wurde am 7.11.18 in den Ausschuss für Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz eingebracht. Jedoch wurde trotz gegenteiliger Informationen im Vorfeld des Ausschusses die Zuständigkeit des Gremiums angezweifelt, so dass der Antrag in den Kreisausschuss geschoben wurde und in den Haushaltsberatungen diskutiert werden soll. Ein durchsichtiges Manöver der Kreistagsmehrheit, die sich nicht dazu durchringen kann, den guten Vorschlag der SPD positiv aufzunehmen. Also bleibt erst einmal alles beim alten? Das Thema ist noch nicht vom Tisch.

Nachtrag: Leider war das Mehrheitsbündnis im Kreis nicht bereit, die gute Idee der SPD aufzunehmen, der Vorschlag wurde in den Haushaltsberatungen abgelehnt. Soviel zu den Beteuerungen der Jamaika-Koalition, die Sicherheit der Bürger liege ihnen am Herzen. Wir sind gespannt, wann unser Vorschlag von den Koalitionären als ihr eigener ausgegeben wird. .