Archiv der Kategorie: Soziales

Gemeinsam statt einsam-Wege in die Zukunft

Am 3.7.19 fand im Kreishaus in Bergheim die Fachtagung zur Demenzforschung statt, organisiert von Frau Dr. Schreckling von der Alzheimer-Gesellschaft im Rhein-Erft-Kreis (Bild oben).

Auf dem Programm standen Themen wie neue Erkenntnisse der Demenzforschung, das Verhältnis von Sport und Demenzprävention und Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz, sowie  ein Vortrag von Franz Müntefering, dem Vorsitzenden der BAGSO, (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen).

Zuerst stellte Prof. Frank Jessen von der Universität Köln dar, dass sich in der Demenzforschung in den letzten Jahren der Fokus verschoben habe von dem Ansatz, Amyloide Plaques beseitigen zu können hin zur Prävention, bei der Lebensstilfaktoren eine große Rolle spielen. Stand der Forschung sei, dass Faktoren wie Übergewicht, hoher Blutdruck, Rauchen, Depressionen, körperliche Inaktivität, soziale Isolation und Diabetes eine Rolle spielen. 35% des Demenzrisikos seinen modifizierbar, weil Bluthochdruck und Diabetes gut einzustellen seien. Auch sind gesunde Ernährung und guter Schlaf wichtig.

Im Vortrag über Sport und Bewegung von Prof. Klara Brixius stand der Ansatz im Mittelpunkt, dass Menschen, die kaum sportliche Aktivitäten ausüben, an Bewegung herangeführt werden. Dafür gibt es den Alltags-Fitness-Test, der im Internet verfügbar ist. Hierbei werden 14 Funktionen aufgelistet, davon müssen 7 allein durchgeführt werden können. Durch das Alltags-Trainingsprogramm kann die persönliche Fitness verbessert werden.

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von der Josef-Metternich-Musikschule.

Es spielten das Duo Operation Tandem mit Robert Mensebach und Bernd Lechtenfeld

sowie das Veeh-Harfen Ensemble unter der Leitung von Ulla Henkel.

Hauptredner des Tages war Franz Müntefering, der zu Beginn seines Vortrages klarmachte, dass demente Menschen Unikate sind, die gemäß ihren individuellen Eigneschaften gut behandelt werden müssen. Hierbei können die rund 500 Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz helfen. Im nächsten Jahr soll eine nationale Demenzstrategie entwickelt werden, die auch im Bundeskabinett beraten wird. Die Rolle der Kommunen muss dabei gestärkt werden. Bisher ist nur die Jugendhilfe eine Pflichtaufgabe, Altenhilfe ist dagegen nicht definiert und keine Pflichtaufgabe. Dabei stellt sich die Frage der Altenhilfe in Zukunft verstärkt, da die Anzahl der Alten in der Gesellschaft zunehmen wird. Ein wachsendes Problem ist die Einsamkeit, die möglicherweise mit aufsuchender (zugehender) Altenarbeit bekämpft werden kann. Hier sind wieder die Kommunen gefordert, die aber durch Bund und Land unterstützt werden müssen.

Die letzten Tage von Real im Einkaufszentrum:

eine Ära geht zu Ende

Am 29.6.19 ist der letzte Verkaufstag im Real im Einkaufszentrum Hürth. Damit geht eine Ära zu Ende: seit der Eröffnung des Einkaufszentrums 1977 gab es ein Warenhaus mit breiter Angebotspalette. Anfangs unter dem Namen Allkauf und auf zwei Etagen verteilt, wurde die Möbelabteilung auf der oberen Etage aufgegeben und es blieb das Angebot von Lebensmitteln, aber auch Hausrat, Unterhaltungselektronik, Bekleidung und Fahrrädern.

1962 gegründet, wurde die Kette 1998 an die Metro verkauft. Der Name wurde zu  „Real“ geändert. 2012 wurde das 35jährige Bestehen des Einkaufszentrums gefeiert, das bis heute verschiedene Besitzerwechsel hinter sich hat.

Auch bei Real steht ein Besitzerwechsel an: im Herbst 2018 verkündet die Metro, sie wolle Real verkaufen. Am 6.12.18 nun gab Real bekannt, dass der Markt in Hürth geschlossen würde. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk für die Beschäftigten! Sie konnten sich nun über die Feiertage auf ihre Arbeitslosigkeit vorbereiten. 98 Arbeitsplätze von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die teilweise schon Jahrzehnte diesem Betrieb gearbeitet haben und nun wenig Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz haben, gehen verloren. Die Beschäftigten hatten in der Vergangenheit bereits versucht, mit Lohnverzicht ihre Arbeitsplätze zu retten – vergeblich.

Die SPD Hürth solidarisierte sich mit den Beschäftigten, führte Gespräche mit dem Betriebsrat und schrieb die Zentrale an, um eine andere Lösung zu fordern. Die Düsseldorfer Zentrale verteidigte in einem dürren Vierzeiler ihre Position mit der Behauptung, sie hätten ihre soziale Verantwortung durch einen Sozialplan wahrgenommen.

Wie soll es nun weitergehen? Niemand der Verantwortlichen ist zu einer Stellungnahme bereit, die Zukunft des Einkaufszentrums ist ungewiss. Es ist zu erwarten, dass der Verkaufsraum monatelang leerstehen wird, erst im Dezember soll ein anderer Lebensmitteldiscounter ins Einkaufszentrum kommen.

Diese Situation bereitet große Sorgen um die Zukunft dieses Standortes. 

Wir wünschen allen, die durch die Schließung des Real ihren Arbeitsplatz verloren haben, alles Gute für die Zukunft und bieten unsere Unterstützung an.

Leben im Alter wird zu immer wichtigerem Thema

Die SPD-AG 60+ lud zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?»

Viele Menschen, die ein ganzes Leben lang erwerbstätig gewesen sind, fallen mit der Verrentung von einem Tag auf den anderen in ein tiefes Loch. Wie aber kann dies verhindert werden? Dieser wichtigen Frage in einer statistisch immer älter werden Gesellschaft widmete sich die Arbeitsgemeinschaft 60+ des SPD-Ortsvereins in Hürth am 14. März mit der Veranstaltung: «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?» Als Referenten hatte die SPD-AG 60+ Wilbert Gregor eingeladen. Der ehemalige Mitarbeiter der ver.di-Landesleitung in Nordrhein-Westfalen ist selbst verrentet und schult in Vorträgen Senioren, Arbeitnehmer und Betriebsräte in Bezug auf Strategien, die den harten Bruch nach dem Arbeitsleben verhindern können.

Gegen den Begriff Ruhestand

Nach Begrüßung der Anwesenden übergab Margit Reisewitz, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hürth, an den Redner. Der begann seinen Vortrag mit einer künstlerischen Darstellung der zehn Lebensalter des Mannes. Der Druck aus dem 19. Jahrhundert zeigte nicht nur die Entwicklung vom Säugling zum Greis, sie stellte den Mann auch als den Ernährer und Gestalter der Familie in den Vordergrund. In der heutigen Zeit, in der sich das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft verändert hat, sei das berufliche Umfeld größtenteils verantwortlich für Prestige, Selbstwertgefühl und soziale Anbindung, führte Gregor aus. Umso schwerwiegender sei es, wenn mit der Rente dieses Umfeld wegfalle. Dies habe oft sogar Folgen für körperliche und geistige Gesundheit sowie die Lebenserwartung der Ruheständler, ließ Gregor wissen. Der Referent wandte sich an dieser Stelle auch entschieden gegen den Begriff Ruhestand. Er empfände ihn als problematisch, weil er Passivität und Leere suggeriere.

Wilbert Gregor

Arbeitgeber nicht interessiert

Die Strategien, die Gregor vorstellte, um sein Leben auch nach dem Beruf bewusst zu gestalten, fasste er unter zwei Überschriften zusammen: «Aktiver Erhalt der geistigen und körperlichen Fitness» sowie «Frühzeitige Vorbereitung auf den letzen Arbeitstag und die Zeit danach». Vor allem zum letzten Punkt gebe es derzeit noch wenig Forschung, ließ er wissen und unterstrich, dass sich Arbeitgeber dafür auch kaum interessierten, weil ihnen dies wirtschaftlich keinerlei Vorteile biete. Gregor empfahl deshalb, sich mindestens ein halbes Jahr vor Ablauf der Berufstätigkeit auf die Zeit danach vorzubereiten. Allerdings sei es empfehlenswert, viel früher zu starten und sich kontinuierlich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Dazu zählten nicht nur Vorsorgemaßnahmen, ein regelmäßiges Fitnessprogramm, eine ausgewogene Ernährung und maßvoller Umgang mit Alltagsdrogen, sondern auch anhaltende Lernaktivität, Pflege sozialer Kontakte sowie bewusst gelebte Zärtlichkeit bis ins hohe Alter.

„Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer Bewusstseinsveränderung.“

Margit Reisewitz dankte im Anschluss an den Vortrag dem Redner und zeigte sich sehr zufrieden mit den Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum: „Ich freue mich, dass trotz des ungemütlich stürmischen Wetters so viele interessierte Bürgerinnen und Bürger zu dieser Veranstaltung gekommen sind. Trotz der Anhebung des Rentenalters wird die nachberufliche Lebensphase mit steigender Lebenserwartung länger. Diese Lebensphase sollte bewusst und frühzeitig vorbereitet werden, dafür muss aber erst einmal ein Bewusstsein geschaffen werden. Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer solchen Bewusstseinsveränderung, die in den kommenden Jahren aus der Gesellschaft in die Politik und Verwaltung getragen werden muss. Die SPD-AG 60+ bleibt am Ball, damit dies auch geschieht

Kinderschutzbund Hürth feiert 25jähriges Bestehen

Ein Vierteljahrhundert gibt es den Kinderschutzbund in Hürth. Dies wurde in der Musikschule Auftakt gefeiert mit buntem Programm für Kinder und musikalischen Beiträgen des Orchesters der Musikschule. Heinz Hilgers, der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, gratulierte Karolin Königsfeld, die Gründerin und Vorsitzende ist, zu ihrer erfolgreichen Arbeit. (Bild oben)

Der Kinderschutzbund Hürth hat viele Projekte zum Wohl von Kindern und Familien angestoßen, die Armutsprävention und Bildungs- und Teilhabeförderung zum Inhalt haben. Leseförderung an der Milos-Sovak-Schule gehört seit Jahren dazu; seit Anfang diesen Jahres hat der Leseclub Fridolin an der Deutschherrenschule den Kinderschutzbund als Bündnispartner. Durch die enge Vernetzung mit dem Jugendamt kann der Kinderschutzbund besonders erfolgeiche Arbeit leisten.

Wir gratulieren dem Kinderschutzbund Hürth zu seinen vielfältigen, sehr guten Projekten und sagen auch für die Zukunft unsere Unterstützung zu.

Mobile Jugendarbeit und Schulsozialarbeit werden wieder getrennt!

Zwei Jahre lang wurden in Hürth die Mobile Jugendarbeit und Schulsozialarbeit in Personalunion durchgeführt. Träger war die „Katholische Jugendagentur“ (kja), die als einzige Bewerberin den Zuschlag für die Durchführung bekommen hatte.

Im März 2018 wurde eine Zwischenbilanz gezogen, die verheerend ausfiel. Es hatten sich keinerlei von der Mehrheitsfraktion behaupteten Synergieeffekte ergeben. Im Gegenteil hatte sich herausgestellt, dass das Personal die verschiedenen Zielgruppen nicht im erwünschten Maße erreichen konnte. Die Gruppe der Schulkinder hatte andere Bedarfe als die Gruppe der Jugendlichen. Die Sozialarbeiter schilderten, welchen Belastungen sie durch die Kombination der beiden Bereiche ausgesetzt waren: vormittags Probleme von Grundschülern in Efferen und Alstädten-Burbach lösen und nachmittags und abends sich um Freizeitprojekte von Jugendlichen in sechs Stadtteilen kümmern: das musste scheitern. Daher beklagten sich die Schulen über unzureichende Präsenz, die durch die Arbeitszeiten begründet waren und die Sozialarbeiter empfanden das Pensum als nicht leistbar.

Die SPD hatte von Anfang an darauf hingewiesen, dass dieses Projekt zum Scheitern verurteilt sei, weil es nicht die verschiedenen Bedarfe von Schulkindern und Jugendlichen abdecken konnte. Leider aber hat die Mehrheitsfraktion dies nicht beachtet und zum Schaden des Personals und der Kinder und Jugendlichen ihre Vorstellungen durchgesetzt.

Die SPD begrüßt, dass die Verwaltung jetzt die beiden Bereiche trennen will. Jedoch hätten wir gewünscht, die Stellen bei der Stadt anzusiedeln und sie nicht an einen freien Träger zu vergeben. Die Verwaltung weigerte sich aber, die Stellen mit städtischen Kräften zu besetzen. Wir stimmten schließlich der Ausschreibung zu, jedoch mit dem Auftrag, nach Auslaufen des Projekts die Schaffung eigener Stellen zu prüfen. Wir werden sehr genau beobachten, wie sich das Projekt weiter entwickelt.

Sommerfest 2018 „Am Gustav“

Am 15.9.18 feierte das Familienbüro „Am Gustav“ (Gustav-Stresemann-Ring in Efferen) sein Sommerfest. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren wurde das Familienbüro eröffnet. Es ist eine Anlaufstelle im Viertel mit Angeboten wie Müttercafé, Hausaufgabenbetreuung, Offenem Jugendtreff, Kochkursen für Babynahrung, Offenem Anwohnertreff, Beratung für pflegende Angehörige und Bücherangeboten, um nur einige zu nennen. In zwei Jahren hat es sich gut etabliert und wird rege angenommen.

Das Sommerfest bei strahlendem Sonnenschein wurde von vielen Familien, Anwohnern, aber auch Jugendpolitikern besucht. Auch das Gewandhaus, das preiswerte Bekleidung anbietet, war mit einem Stand vertreten. Das Gewandhaus hatte das Familienbüro Am Gustav mit einer Spende von 4000 Euro unterstützt. Hier zeigt sich Vernetzung von ihrer besten Seite.

Das „Gustav-Team “ mit Frau Engel (3.von links), Frau Annen-Waizner (2. von rechts) und Frau Pankow (ganz rechts) mit fröhlichen Gästen.

Wir freuen uns über diese gelungene Sozialraumprojekt und wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.

WIR gGmbH- eine unverzichtbare Einrichtung

Am 8.9.17 veranstaltete die WIR gGmbH ihren Tag der offenen Tür. WIR – das bedeutet Werkstatt für Integration und Rehabilitation, natürlich liegt hier der Schwerpunkt auf dem „Wir“, der Gemeinschaft. WIR ist eine anerkannte Behindertenwerkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung. Es ist das Ziel der WIR gGmbH, Menschen mit Behinderung für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Sie unterhält zwei Werkstätten, eine in Hürth mit 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den südlichen Rhein-Erft-Kreis und eine in Bergheim mit 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den nördlichen REK. (mehr über die WIR gGmbH)

Der Rehabilitationsbereich umfasst ein dreimonatiges Eingangsverfahren, der sich anschließende Berufsbildungsbereich dauert i.d.R. 24 Monate. Hier stehen Training von Grundarbeitsfähigkeiten, Persönlichkeitsentwicklung und berufliche Orientierung im Vordergrund.

Am Tag der offenen Tür war es nun möglich, in die einzelnen Bereiche, wie Verpackung und Montage, Garten- und Landschaftspflege, Schreinerei, Näherei oder Hauswirtschaft hineinzuschauen. Frau Birgit Hummel, Geschäftsführerin und Werkstattleiterin, führte durch die verschiedenen Abteilungen. An hellen, geräumigen Arbeitsplätzen waren motivierte Mitarbeiter zu beobachten, die bereitwillig Auskunft über ihren Arbeitsbereich gaben. Eine beeindruckende Darstellung von sozialer Arbeit, ein unverzichtbarer Baustein im Gefüge der Angebote für Menschen mit Behinderung. Wir wünschen der WIR gGmbH weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit.

vlnr: Birgit Hummel ( Geschäftsführerin und Werkstattleiterin), Dr. Heinz Weller (Aufsichtsratsmitglied), Margit Reisewitz (Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Soziales und Inklusion ), Bernhard Ripp (stellvertretender Landrat)

«Tag der älteren Generation» im Rudi-Tonn-Altenzentrum

Politik darf sich nicht auf ehrenamtlichem Engagement der Bevölkerung ausruhen“

SPD-AG 60+ macht beim «Tag der älteren Generation» im Rudi-Tonn-Altenzentrum auf die Belange und Bedürfnisse von Senioren aufmerksam.

Der «Tag der älteren Generation» wurde 1991 von den Vereinten Nationen ausgerufen, um explizit auf die Belange und Bedürfnisse von Senioren aufmerksam zu machen. Auf Initiative der SPD-AG 60+ wurde der Aktionstag 2016 erstmals in Hürth mit einem festlichen Programm begangen. Unter dem Motto «Wer bin ich? Was macht mich aus?» lud die SPD-AG 60+ am 1. Oktober 2017 erneut ins Rudi-Tonn-Altenzentrum zu einem bunten Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. Bei einem vielseitigen Mitmachprogramm gab es darüber hinaus ein breites Informationsangebot über ein selbstbestimmtes, aktives Leben im Alter.

Den Idealen Rudi Tonns verpflichtet

Das Organisationsteam begrüßt die zahlreichen Gäste

Sonja Mourchid, Koordinatorin Soziale Betreuung des Rudi-Tonn-Altenzentrums, begrüßte zu Beginn der Veranstaltung die zahlreich erschienenen Gäste sowie Margit Reisewitz, Kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hürth, Stephan Renner, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Hürth, sowie Günter Reiners, Zweiter Stellvertretender Bürgermeister in Hürth. Auch Margit Reisewitz hieß als Organisatorin des Aktionstages die Anwesenden willkommen und leitete zum ersten Kulturbeitrag über.

Maurice Luther erfreut die menschen mit «Tico-Tico no Fubá»

Maurice Luther, der sein Freiwilliges Soziales Jahr im Altenzentrum macht, interpretierte auf der Geige mit «Tico-Tico no Fubá» einen der bekanntesten Choros des brasilianischen Komponisten Zequinha de Abreu, bevor Stephan Renner in seinem Redebeitrag das Engagement der SPD-AG 60+ und ihren leidenschaftlichen Einsatz für gesellschaftlich relevante Themen lobte. Renner unterstrich darüber hinaus, dass der Arbeitskreis mit seiner Tätigkeit den Idealen des Namensgebers des Altenzentrums Rudi Tonn verpflichtet sei.

Weiter ging es mit einem kleinen Konzert des Veeh-Harfen-Ensembles des Rudi-Tonn-Altenzentrums, das mit traditionellem Liedgut für Stimmung sorgte. Einen nachdenklichen Beitrag lieferte im Anschluss Irene Grentz, die sich Gedanken darüber machte, wie Sprache alte Menschen diskriminiert und ihnen Selbstbestimmung absprechen kann. Den Höhepunkt des Programms aber bildete das stimmungsvolle Mitsing-Konzert, das Peter Strang den Gästen mit seinem Akkordeon lieferte. Lieder wie «Hoch auf dem gelben Wagen», «Tulpen aus Amsterdam», aber auch «Heimweh noh Kölle» brachten die Bewohner des Altenzentrums zum Mitsingen und Schunkeln. Mutige wagten sogar ein paar Tanzschritte.

„Ohne Senioren wäre vieles nicht möglich.“

Nach diesem musikalischen Beitrag hatten Bewohner und Gäste Zeit dazu, sich angeregt miteinander zu unterhalten und an den Infoständen das breite Angebot kennenzulernen, das Parteien und Organisationen wie das Netzwerk Löwenzahn e. V und der Freundeskreis des Rudi-Tonn-Altenzentrums e. V auf Menschen der älteren Generation zugeschnitten haben. Margit Reisewitz äußerte sich nach dem Aktionstag zufrieden über das gelungene Programm und den großen Zuspruch: „Die SPD-AG 60+ und unsere vielen Helferinnen und Helfer haben mit der Organisation des Programms heute einen Beitrag dazu geleistet, dass in Einrichtungen wie dem Rudi-Tonn-Altenzentrum Angebote gemacht werden, die Senioren dabei helfen, sich zu entfalten und selbstbestimmt, selbstbewusst und erfüllt zu leben. Ich habe gerade mit einer Dame gesprochen, die sich heute für die Veeh-Harfen begeistert und wohl ein neues Hobby gefunden hat. Und Besucher des Rudi-Tonn-Altenzentrums haben mir versichert, dass sie sich in Zukunft ehrenamtlich in diesem Haus engagieren möchten. In einer Zeit, in der Politik und Gesellschaft die Bedürfnisse älterer Menschen vernachlässigen, ist das ehrenamtliche Engagement umso wichtiger. Wir finden aber, dass sich die Politik nicht auf dem ehrenamtlichen Engagement der Bevölkerung ausruhen darf. Politik muss handeln, sich auf die Bedürfnisse von Senioren ausrichten und erkennen, dass alte Menschen keine Last sind, sondern unsere Gesellschaft mit ihrer Erfahrung, ihren Begabungen und ihrem Engagement nachhaltig stützen und bereichern. Deshalb verdienen sie auch unsere Wertschätzung und Anerkennung.“

Clubkonzert gegen Rechts – Martin Schulz im Kölner Stadtgarten

Am Tag des AfD-Parteitages in Köln setzte die SPD ein Zeichen gegen rechts- mit einem Konzert im Kölner Stadtgarten, bei dem Shahin Najafi auftrat, der aus dem Iran geflohen ist, weil er mit einer Fatwa bedroht wird. Er wurde von Günter Wallraff aufgenommen, der auch auf der Bühne stand.

Die Bundes-SPD hatte zu diesem Konzert eingeladen, bei dem Martin Schulz klar Stellung bezog: eine Partei, in der Frauke Petry als gemäßigt gilt, ist eine Schande für Deutschland.

Aber auch zu Themen des Wahlkampfs äußerte sich Martin Schulz, er forderte mehr Respekt der Gesellschaft ein und zwar gleichermaßen für den Busfahrer wie für den Chefarzt. Auch attackierte er prekäre Arbeitsverhältnisse, eine Haltung, die sehr zu begrüßen ist, zeigt doch die aktuelle Diskussion in Hürth, bei der es um Honorarkräfte für die Musikschule geht, dass das Thema sehr aktuell ist. Solche Arbeitsverhältnisse programmieren Altersarmut.

Leider musste Martin schon nach einer Stunde wieder nach Berlin, aber im Hinausgehen war doch noch ein Foto möglich.

Auch in Hürth gibt es Armut

Am 3.3.17 hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Deutschland seinen Armutsbericht vorgestellt. Danach ist die Armutsquote in Deutschland erneut gestiegen, wie sie es seit 10 Jahren tut. Inzwischen leben 15,7% der Deutschen unterhalb der Armutsschwelle, als arm gilt, wer wengier als 60% des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

Das bedeutet  für eine allein stehende Person ein Einkommen von 979 EUR monatlich (11.749 EUR im Jahr). Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt der Schwellenwert bei 2.056 EUR im Monat (24.673 EUR im Jahr) (Stand: 2015). Hierbei werden staatliche Leistungen mit einbezogen.

Auch die Bundesregierung hat ihren Armuts- und Reichtumsbericht gerade veröffentlicht. (5. ARB) .

Was können wir in Hürth beobachten?

Die systematische Datenerfassung ist leider schwierig.  Nicht alle wünschenswerten Zahlen konnte ich für den gewünschten Stichtag ermitteln.  Unterschiedliche Institutionen (z.B: Jobcenter, Stadtverwaltung, Bundesamt für Statistik) erfassen die Daten in unterschiedlicher Form  (Zeitpunkte, Altersgruppen etc, Bezugsgrößen). Auch können Prognosen durch Zu- und Wegzug verfälscht werden. Trotzdem kann man einiges für Hürth erkennen  und daraus Handlungsbedarf ableiten.

Ein wichtiges Merkmal ist der Anteil der Bezieher von Leistungen nach SGB II in der Gesamtbevölkerung.

Quellen Bundesamt für Statistik und Sozialraumbeschreibung Hürth 2015

Danach ist es in Hürth etwas besser als im Bundesdurchschnitt.

Kinderarmut

Hierbei trifft es am häufigsten alleinerziehende Eltern, in Hürth sind es ungefähr ein Fünftel der Eltern.

Zur Verbesserung der Verständlichkeit haben wir die Altersgruppen in der Breite nach der Anzahl der Jahrgänge dargestellt. Man sieht, dass in den nächsten Jahren zunächst die Jahrgangsstärken zurückgehen und nach einigen Jahren wieder ansteigen.

Der niedrigere Anteil an SGB II Personen in der Altersgruppe bis 20 Jahre lässt vermuten, das ein erheblicher Anteil der jungen Menschen über 18 eine auskömmliche Arbeit findet.

Die Anzahl der jungen Menschen in SGB II ist leicht rückläufig. Ein Teil des Effekts liegt vermutlich in den schwächeren  nachwachsenden Jahrgängen, ein anderer Teil in einer leicht verbesserten Konjunktur.

Altersarmut

Doch nicht alle Zahlen lassen auf Besserung hoffen.

Hier ist die Dunkelziffer hoch, jährlich werden in Hürth etwa 10 Fälle bekannt, die mit der Beantragung der Grundsicherungsleistung gezögert haben, obwohl sie bereits längere Zeit vorher hilfebedürftig und anspruchsberechtigt gewesen wären.

Der Anteil an Senioren mit Grundsicherungsleistungen wächst.  Die Ursachen dürften in der Rentensenkungspolitik der vergangenen Jahre liegen und im Trend zu prekären Arbeitsverhältnissen. Ersparnisse in den Lohnnebenkosten rächen sich später in höheren Grundsicherungskosten. Das Rententhema ist ein Bundesthema, das im kommenden Bundestagswahlkampf eine große Rolle spielen wird.

Prekäre Arbeitsverhältnisse können hier in Hürth auch heute schon durch eine verantwortungsbewusste, weitsichtige Politik vermieden werden.

Wohnen

Ein weiterer Indikator für einen bedenklichen Trend ist die Obdachlosigkeit.

Auch in Hürth gibt es das Problem der Obdachlosigkeit, zwar unterhält die Stadt Hürth vier Gebäude für die Unterbringung von Obdachlosen, die aktuell mit 91 Personen belegt sind (Mitteilung der Verwaltung im BSI v. 23.11.16),. Die Zahl Obdachlosen mag man als klein ansehen. Sie ist aber aber Zeichen für eine immer schwieriger werdende Situation auf dem  Wohnungsmarkt in Hürth. Die Mietpreise steigen für alle, auch für Bezieher kleinerer Einkommen, z.B. junge Beamtenfamilien.

Hier kann und muss die Stadt eine bessere Politik verfolgen, indem sie für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgt. Viertel wie Efferen-West (  auch „Klein-Marienburg“ genannt) helfen da wenig.

Es gibt auch Hilfen

von der Stadt

Nun ist Hürth aber nicht ohne Unterstützungssysteme, die versuchen, Armut zu mildern. Es gibt die Möglichkeit, über den Hürth-Pass Vergünstigungen bei der Nutzung von Schwimmbad, Stadtbücherei und Musikschule zu erhalten. Aktuell gibt es in Hürth 497 Hürth-Pass-Inhaber. (Regelsatz für Alleinstehende nach SGB II 409 Euro im Monat).

von Ehrenamtlern

Hürth-Pass-Inhaber haben auch das Recht, Lebensmittel von der Tafel zu beziehen, die sich in der Kölnstr. 14  befindet.

Für 8 Euro im Monat haben Bedürftige das Recht, bis zu zwölfmal Lebensmittel zu erhalten.Die Tafel gibt montags, mittwochs und freitags Lebensmittel aus, die zur Unterstützung des Lebensunterhaltes dienen sollen. Im Januar 2017 wurden von der Tafel 307 Familien mit 819 Personen versorgt, davon ungefähr 300 Kinder.

Außerdem leistet das Klamottenlädchen des ZMO an der Luxemburgerstr. 337 Hilfe, wenn Bekleidung oder Hausrat benötigt werden.

Öffnungszeiten:

Mo, Mi, Fr 10-13 Uhr

Di, Do 16-18 Uhr

Seit Juli 2016 gibt es das Gewandhaus in der Friedrich-Ebert-Str. 11 im ehemaligen Kreishaus, zu erreichen über den Parkplatz des Altenheims St. Ursula.

Auch hier liegt der Schwerpunkt auf Bekleidung, es gibt aber auch Hausrat, Handtücher und Bettwäsche. Die Bekleidung ist nach Größen geordnet und getrennt nach Erwachsenen und Kindern . Alle, die entweder einen Wohnberechtigungsschein, Hürth-Pass oder einen Nachweis des Jobcenters vorlegen, können sich für wenig Geld einkleiden. Das Gewandhaus so wie die anderen sozialen Einrichtungen werden durch Spenden versorgt und suchen ehrenamtliche Mitarbeiter.

Hier sind die Öffnungszeiten:

Mo         10-14 Uhr

Di, Do  16-20 Uhr (feiertags geschlossen)

Was nötig ist!

So hilfreich diese ehrenamtliche Unterstützung ist, die verbilligten Zugang zu Kleidung, Hausrat, Lebensmitteln oder städtischen Einrichtungen schafft, kann sie doch nicht die Hilfe des Staates ersetzen. Hier braucht es Information der Betroffenen, passgenaue Angebote und besondere Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder. Besonders beunruhigend ist die Entwicklung, die die Zahlen der Bedürftigen ansteigen läßt, wobei es wohl eine nicht zu vernachlässigende Dunkelziffer gibt. Hier muss mehr soziale Gerechtigkeit hergestellt werden, es ist nicht hilfreich, wenn das Problem kleingeredet oder gar ignoriert wird  (siehe Blogbeitrag vom 25.9.16) . Es gilt, sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen.

Vieles muss in Berlin erledigt werden  (z.B. Rentenpolitik).

Was kann man noch in Hürth tun?

  • Bestandsaufnahme aktueller Sozialraumdaten,
    um besser eingreifen zu können
  • eine Wohnraumpolitik auch für kleinere Einkommen
  • Ausbau der Schuldnerberatung, um auch präventiv tätig sein zu können.