Archiv der Kategorie: AG60plus

Senioren besuchten das Bergbaumuseum

Die AG 60+ der Hürth SPD besuchte das Bergbaumuseum in Bochum. Die Gruppe von 27 Personen wurde am Eingang von zwei ehemaligen Bergleuten in weißer Kluft empfangen. Mit dem Seilfahrtsimulator ging es 20 Meter in die Tiefe, aber es wurde das Gefühl vermittelt, 1200 Meter tief mit einem Förderkorb zu fahren.

Untertage gibt es ein Streckennetz von 2,5 km, wo die Besucher durch niedrige Gänge (Strebe) gehen können, die mit Holzbohlen verkleidet sind. Die Strebe sind gesäumt von Loren mit Elektroloks, mächtige Maschinen zeigen die Entwicklung des Steinkohlebergbaus von der schälenden Gewinnung der Kohle über die schneidende Gewinnung bis zum Schildausbau auf 400 m langen Streben.

Auch wenn am Schluss der Kohlegewinnung die Kohle nicht mehr von Hand abgebaut werden musste, weil Maschinen eingesetzt werden konnten, so war und blieb der Beruf des Bergmanns schwer und ungesund.

Die große Hitze untertage, Staub, Dunkelheit, Lärm und die ständige Gefahr von Unfällen machten den Hauern zu schaffen und verkürzten die Lebenserwartung.

Sehr interessant war die Dahlbusch-Bombe, mit der 1955 drei verschüttete Bergleute gerettet wurden. Auch 1963 wurde die Dahlbusch-Bombe beim „Wunder von Lengede“ eingesetzt, so dass 11 Menschenleben gerettet werden konnten.

Vom Anschauungsbergwerk untertage ging es mit dem Aufzug 50 Meter hoch auf den Förderturm, von wo aus man einen weiten Blick auf das Ruhrgebiet hat.

Die Ausstellung zur Geschichte der Kohle zeigt die Entwicklung von der Entstehung vor 300 Millionen Jahren über die Rolle der Industrialisierung bis zum Zechensterben und dem Ende der Kohleförderung im Jahr 2018.

Gebrochene Versprechen begleiteten den Strukturwandel im Ruhrgebiet- wie wird der Strukturwandel im Rheinischen Revier verlaufen?

Besuch im Chemiepark Knapsack

Die AG 60+ der Hürth SPD besuchte am 17.5.19 den Chemiepark Knapsack. Nach der kurzen Busfahrt vom ZOB am Hürth Park stand eine Präsentation über den Chemiepark auf dem Programm. Günther Geisler, ehemaliger Mitarbeiter und Mitglied der Pensionärsvereinigung Knapsack, versorgte die Besucher mit Zahlen und Fakten.

Am Standort Knapsack wurde 1907 eine Anlage zur Produktion von Kalkstickstoff eröffnet, entscheidend für die Lage war die Nähe zum Energieträger Braunkohle. Kalkstickstoff wurde in der Landwirtschaft als Dünger verwendet. Es entwickelten sich Produktionsstätten für Phosphor; nach dem Abbau der Phosphorchemie wurden die Chlorchemie und die Herstellung von Kunststoff und Pflanzenschutzmitteln zum Kerngeschäft.
Der Chemiepark in seiner heutigen Form wurde 1998 gegründet, wobei die Hoechst AG in verschiedene Geschäftsbereiche aufgespalten wurde. Als Betreibergesellschaft für den Chemiepark fungiert bis heute die Infraserv Knapsack. Allerdings wurde uns Besuchern gesagt, dass sich dieser Name in Kürze ändern soll.

Nach dem Vortrag von Herrn Geisler wurde vom Kraftwerksleiter, Herrn Dirk Böhme, die Funktionsweise der Ersatzbrennstoffkraftwerks (EBKW) erläutert. Das EBKW verbrennt 300.000 Tonnen Abfall pro Jahr, der Bunker fasst 10.000 Tonnen vorsortierte Gewerbe- und Industrieabfälle, die speziell aufbereitet angeliefert werden. Die Besucher konnten dem Kranführer über die Schulter schauen, der die Abfälle dann mit seinem Greifer in den Aufnahmetrichter gibt. Der riesige Greifer fasst 5 Tonnen Abfall und könnte mit wenigen Griffen einen LKW vollladen. Die Abfälle werden bei 850° verbrannt. Dadurch werden auch Dioxine und Furane zerstört. Mit der Wärmeenergie der Kessel werden stündlich etwa 140 t Dampf erzeugt, der mit einem Druck von 60 bar und einer Temperatur von 420° eine Turbine für einen Generator zur Stromerzeugung antreibt. So werden ca. 234.000 Megawattstunden elektrische Energie für den Chemiepark erzeugt, dies entspricht dem Bedarf von 68.000 Haushalten. Im Vergleich zur Stromerzeugung aus Braunkohle spart dieses Verfahren 92.000 t CO2 ein.
Zukünftig soll auch Klärschlamm verbrannt werden, der nicht mehr als Düngemittel auf den Feldern ausgebracht werden darf.

Nachdem die Besucher Schutzwesten, Helme und Schutzbrillen angelegt hatten, wurden sie durchs Kraftwerk geführt, wo sie die Prozesse nachvollziehen konnten.

Besuch in der Leitstelle

Das Mittagessen wurde in der Kantine eingenommen. Danach wurden die Besucher im Bus über das Gelände gefahren, um ihnen einen Eindruck vom Chemiepark zu verschaffen.

Viele der Besucher hatten eine persönliche Beziehung zum Chemiepark, sei es, dass sie selbst früher dort beschäftigt gewesen waren oder dass Verwandte oder Bekannte jetzt noch dort arbeiten. Das machte es für sie besonders interessant.

Wir danken dem Chemiepark für die kompetente Führung und die gute Bewirtung.
Da nicht alle Interessenten berücksichtigt werden konnten, gibt es am 6.9.19 noch einmal die Gelegenheit, diesen Besuch durchzuführen. Wir freuen uns darauf.

Leben im Alter wird zu immer wichtigerem Thema

Die SPD-AG 60+ lud zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?»

Viele Menschen, die ein ganzes Leben lang erwerbstätig gewesen sind, fallen mit der Verrentung von einem Tag auf den anderen in ein tiefes Loch. Wie aber kann dies verhindert werden? Dieser wichtigen Frage in einer statistisch immer älter werden Gesellschaft widmete sich die Arbeitsgemeinschaft 60+ des SPD-Ortsvereins in Hürth am 14. März mit der Veranstaltung: «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?» Als Referenten hatte die SPD-AG 60+ Wilbert Gregor eingeladen. Der ehemalige Mitarbeiter der ver.di-Landesleitung in Nordrhein-Westfalen ist selbst verrentet und schult in Vorträgen Senioren, Arbeitnehmer und Betriebsräte in Bezug auf Strategien, die den harten Bruch nach dem Arbeitsleben verhindern können.

Gegen den Begriff Ruhestand

Nach Begrüßung der Anwesenden übergab Margit Reisewitz, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hürth, an den Redner. Der begann seinen Vortrag mit einer künstlerischen Darstellung der zehn Lebensalter des Mannes. Der Druck aus dem 19. Jahrhundert zeigte nicht nur die Entwicklung vom Säugling zum Greis, sie stellte den Mann auch als den Ernährer und Gestalter der Familie in den Vordergrund. In der heutigen Zeit, in der sich das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft verändert hat, sei das berufliche Umfeld größtenteils verantwortlich für Prestige, Selbstwertgefühl und soziale Anbindung, führte Gregor aus. Umso schwerwiegender sei es, wenn mit der Rente dieses Umfeld wegfalle. Dies habe oft sogar Folgen für körperliche und geistige Gesundheit sowie die Lebenserwartung der Ruheständler, ließ Gregor wissen. Der Referent wandte sich an dieser Stelle auch entschieden gegen den Begriff Ruhestand. Er empfände ihn als problematisch, weil er Passivität und Leere suggeriere.

Wilbert Gregor

Arbeitgeber nicht interessiert

Die Strategien, die Gregor vorstellte, um sein Leben auch nach dem Beruf bewusst zu gestalten, fasste er unter zwei Überschriften zusammen: «Aktiver Erhalt der geistigen und körperlichen Fitness» sowie «Frühzeitige Vorbereitung auf den letzen Arbeitstag und die Zeit danach». Vor allem zum letzten Punkt gebe es derzeit noch wenig Forschung, ließ er wissen und unterstrich, dass sich Arbeitgeber dafür auch kaum interessierten, weil ihnen dies wirtschaftlich keinerlei Vorteile biete. Gregor empfahl deshalb, sich mindestens ein halbes Jahr vor Ablauf der Berufstätigkeit auf die Zeit danach vorzubereiten. Allerdings sei es empfehlenswert, viel früher zu starten und sich kontinuierlich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Dazu zählten nicht nur Vorsorgemaßnahmen, ein regelmäßiges Fitnessprogramm, eine ausgewogene Ernährung und maßvoller Umgang mit Alltagsdrogen, sondern auch anhaltende Lernaktivität, Pflege sozialer Kontakte sowie bewusst gelebte Zärtlichkeit bis ins hohe Alter.

„Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer Bewusstseinsveränderung.“

Margit Reisewitz dankte im Anschluss an den Vortrag dem Redner und zeigte sich sehr zufrieden mit den Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum: „Ich freue mich, dass trotz des ungemütlich stürmischen Wetters so viele interessierte Bürgerinnen und Bürger zu dieser Veranstaltung gekommen sind. Trotz der Anhebung des Rentenalters wird die nachberufliche Lebensphase mit steigender Lebenserwartung länger. Diese Lebensphase sollte bewusst und frühzeitig vorbereitet werden, dafür muss aber erst einmal ein Bewusstsein geschaffen werden. Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer solchen Bewusstseinsveränderung, die in den kommenden Jahren aus der Gesellschaft in die Politik und Verwaltung getragen werden muss. Die SPD-AG 60+ bleibt am Ball, damit dies auch geschieht

Endlich! Die SPD gründet die Rentenkommission!

Heute am 2.12.18 war Sebastian Hartmann, der Vorsitzende der NRW SPD zu Gast beim Seniorenfrühstück, das Ulli Knab, Vorsitzender der AG 60+ in Troisdorf organisiert hatte.

Viele Genossen waren der Einladung gefolgt, nicht nur Personen aus dem Rhein-Sieg-Kreis.

In seiner Rede forderte Sebastian Hartmann von der SPD klare Antworten auf die Fragen der Bürger, gleichzeitig fand er aber auch aufmunternde Worte. Er zeigte sich optimistisch, dass die SPD wieder punkten könne, wenn sie sich klarer vom politischen Gegner abgrenze. In der folgenden Fragerunde wurden viele Themen angesprochen wie Dieselskandal, Pflegenotstand, Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung u.v.m..

Ich stellte ihm die Frage, wo denn die Rentenkommission von der Bundes-SPD bleibe, da es ein unhaltbarer Zustand sei, dass ein Jahr nach dem Bundesparteitag in Berlin alle Anträge, die sich mit Rente beschäftigten, in eine Kommission verwiesen wurden, aber jetzt unbearbeitet in der Schublade lägen. Die Antwort war überraschend: Die Kommission sei gegründet und er sei Mitglied. Das war wirklich ein Adventsgeschenk! Diese Kommission muss jetzt die SPD-Position zur Rente klären. Es gilt, die vielen Anregungen und Beschlüsse der Basis zu prüfen und ein Konzept zu erarbeiten, das die gesetzliche Rente stärkt und zukunftsfest macht, so dass Altersarmut eingedämmt werden kann. Wir bleiben dran an diesem Thema!

Rückblick und Ausblick – die AG 60+ der Hürther SPD präsentiert sich (Erweiterung)

Die AG 60+ der Hürther SPD stellt ihr Programm für 2019 vor.
(wegen des großen Zuspruchs gibt es einige Änderungen)

Am 21.11.18 stellte die AG 60+ der Hürth SPD ihr Jahresprogramm für 2019 vor. 60 Personen waren der Einladung in die Gaststätte Zur Deutschen Ecke in Berrenrath gefolgt, der Saal war fast zu klein.

Zu Beginn gab Margit Reisewitz einen kurzen Rückblick auf die Veranstaltungen zum Wohnen, zur Rente, zur Sicherheit  und dem Ehrenamt sowie der Mehrtagesfahrt nach Magdeburg.

Danach erläuterte Lothar Lax die Ziele, die nächstes Jahr angesteuert werden sollen.Wir haben wegen der großen Nachfrage nun zwei Termine

  • Die Fahrten beginnen am 10.4.19 mit einer Tagestour zum Von-der –Heydt-Museum in Wuppertal. Wegen Umbauarbeiten im Museum haben wir einen geänderten Termin. Wir fahren am Di., 07.05.2019
  • Am 17.5.19 können der Chemiepark Knapsack und das Ersatzbrennstoffkraftwerk besichtigt werden,
  • dann geht es am Mi 12.6.19 und am  Do 13.6.19 zur Gartenparkanlage nach Appeltern/NL. Wir haben wegen der großen Nachfrage nun zwei Termine.
  • Am 2.7.19 folgt eine Schiffsstour auf dem Rursee mit Besuch in Einruhr und Monschau. Durch einen kleinen Zusatzbus können mehr Menschen mitfahren.
  • Abgerundet wird das Programm mit der Fahrt nach Bochum zum Bergbaumuseum am 7.9.19.
  • Am  28.11.2019  besuchen wir außerdem den Weihnachtsmarkt in Hattingen.  Der Fahrpreis beträgt 20,00 €

Die AG 60+ wird auch Info-Veranstaltungen machen;

  • am 14.3.19 wird Wilbert Gregor von der Gewerkschaft Verdi Fragen zum Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand erörtern.
  • Außerdem ist eine Veranstaltung zur gesetzlichen Rente mit Dr. Tim Köhler-Rama geplant. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Lothar Binding in Bonn

Am 19.10.18 war der Bundesvorsitzende der AG 60+ der SPD, Lothar Binding, in Bonn. Eingeladen hatte ihn der Vorsitzende der AG 60+ des Unterbezirks Bonn, Manfred Jastrzemski. Er wollte einen Austausch in Gang bringen, der verschiedene Themen, wie Rente, Altersdiskriminierung, aber auch Verbesserung der innerparteilichen Kommunikation und nicht zuletzt die Erneuerung der Partei zum Inhalt hatte.

Der Zuspruch zu der Veranstaltung war so groß, dass der Raum im Rathaus Bonn-Beuel zu klein war.

Das Spektrum der Themen, die Lothar ansprach, war breit. Es umfasste Themen aus Wirtschafts-,  Außen- und Sozialpolitik.

Er konnte komplexe Sachverhalte wie z.B. die nachgelagerte Besteuerung von Renten anschaulich erklären und manches griffig formulieren:

„Du kannst nicht lange reich sein, wenn dein Nachbar arm ist.“ So warb er für eine gute Zusammenarbeit in Europa.

Die krasse Ungleichheit in der Bezahlung von Arbeitern und Managern könne die Demokratie gefährden. Hier kam wieder Lothars berühmter Zollstock zur Anwendung, der die Unterschiede anschaulich machte.

Die Zuhörer stellten viele verschiedene Fragen. Leider war die Zeit zu kurz, sie alle ausführlich zu beantworten. Viele komplizierte Sachverhalte konnten nur angerissen werden, weil sie im Zeitraffer dargestellt werden mussten.

Wir sollten in Kontakt bleiben und ihn bei der Forderung unterstützen, die angekündigte Programmkommission zum Thema Rente tatsächlich einzurichten.

Magdeburg ist eine Reise wert!

Das war die einhellige Meinung der Teilnehmer an der Studienfahrt nach Magdeburg vom 21.-25.6.18, die von der AG 60+ der Hürth SPD veranstaltet wurde. 33 Teilnehmer genossen ein breit gefächertes Programm. Es  begann mit einem Konzert für Orgel und Geige in der Dorfkirche von Biederitz . Thorsten Fabrizi  war vor einigen Jahren Chorleiter und Organist in Hürth.

Thorsten Fabrizi vor der Ladegast-Orgel in Biederitz

mehr über die Orgel hier

Der nächste Tag begann mit  einer Diskussion mit dem Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft in Sachsen-Anhalt, Jost Rieke, Er informierte über die aktuelle Wohnungssituation in Magdeburg.

Besonders hervorzuheben ist die etwas andere Stadtrundfahrt mit Willi Polte (Beitragsbild oben), Er war nach der Wende der erste frei gewählte OB in Magdeburg und konnte lebendig und als Zeitzeuge  von den städtebaulichen Projekten und Problemen berichten.  Eines seiner Anliegen war und ist, die Stadt durch Bäume schöner zu machen und für ein besseres Klima zu sorgen. (mehr über Dr. Wilhelm Polte hier) 

Die Rundfahrt endete an der  Stasi-Gedenkstätte Moritzhof, ein vielleicht etwas bedrückendes aber notwendiges Thema für politsch interessierte Menschen.

Magdeburger Politik mit spitzer Zunge und einem Schuss Humor präsentierte am Abend  dann Lars Johansen  eigens für unsere Gruppe. (mehr über Lars Johansen hier)

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Lukasklause, einem Turm der ehemaligen Stadtbefestigung, in dem seit 1995 das Otto v. Guericke Museum untergebracht ist. Der berühmte Sohn der Stadt, die heute seinen Namen führt, war nicht nur Bürgermeister und Unterhändler bei den Friedensverhandlungen nach dem 30jährigen Krieg, er war auch ein Wissenschaftler, der das Vakuum entdeckte.

Berühmt sind die Magdeburger Halbkugeln, ein Experiment, das immer wieder auf dem Ottofest nachgestellt wird: acht Pferde können die vakuumierten Kugeln nicht voneinander trennen.

Aber sobald ein kleines Mädchen den Hahn öffnet, so dass Luft einströmt, fallen die Kugeln auseinander.

hier ein Nachbau einer Pumpe von Otto Guericke

Abgerundet wurde die Reise durch Abstecher nach Leipzig und Eisenach. Eine Reise mit vielen besonderen Eindrücken.

Ausgetrickst – Nicht mit uns!

Spezialisiert auf Menschen über 85

Die SPD-AG 60+ und der AWO-Ortsverein Gleuel machen mit einem Gastspiel des Freien Werkstatttheaters in der Aula der Hauptschule Kendenich auf Trickbetrüger aufmerksam, die vorrangig Senioren im Visier haben.

Auf Initiative der Hürther SPD-AG 60+ und des Ortsvereins-Gleuel der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gab das Freie Werkstatttheater (FWT) aus Köln am 28. November ein Gastspiel in der Aula der Hauptschule Kendenich. Das Ensemble des Altentheaters richtete sich mit seinem Stück «Ausgetrickst – Nicht mit uns!» an ein älteres Publikum, das statistisch gesehen am häufigsten zum Opfer von Trickbetrügern wird. In dem gemeinsam mit der Polizei Köln sowie dem Sozialwerk der Kölner Polizei e. V. entwickelten Präventionsprojekt standen zwölf Ensemblemitglieder des FWTs auf der Bühne – alle zwischen 66 und 84 Jahre alt. In kleinen Szenen, die nahezu ohne den Einsatz von Requisiten auskamen, zeigten die Schauspieler anschaulich, welche Tricks Betrüger und Diebe bei älteren Menschen anwenden. Und die Gauner, das wurde während der Veranstaltung deutlich, sind ungeheuer kreativ, wenn es darum geht, Senioren zu verunsichern und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

So nutzen Banden bevorzugt das Telefon, um in die Privatsphäre von Senioren einzudringen. Sie geben sich etwa als Mitarbeiter von Microsoft aus und behaupten, einen Virus auf dem Computer des Angerufenen löschen zu wollen. In Wahrheit sind sie auf der Suche nach Kontodaten. Besonders dreist ist der sogenannte Enkel-Trick: Betrüger geben sich bei den Angerufenen als Enkel oder Enkelin aus und üben massiven Druck aus, um in einer angeblichen Notlage Geld zu bekommen. Spezialisiert sind solche Betrüger auf Menschen jenseits der 85, weil diese oftmals vertrauensseliger und im Umgang mit elektronischen Medien unerfahren seien. Vor allem aber scheuen sich Menschen dieser Generation davor, unhöflich zu sein und ihre Zweifel zu artikulieren. Besonders hohe Geldsummen ergaunern sich Trickbetrüger oftmals durch eine Masche, in der sie vorgeben, der oder die Angerufene habe einen wertvollen Preis gewonnen. Ein teures Auto stehe beispielsweise in der Türkei bereit und müsse nur noch überführt werden. Dafür muss der angebliche Gewinner hohe Gebühren entrichten, die über missbrauchsanfällige Zahlmethoden wie Western Union erfolgen sollen. Natürlich tauchen im weiteren Verlauf angebliche Probleme auf, die weitere Zahlungen nach sich ziehen. Die Betrogenen können so rasch extrem hohe Geldsummen bezahlen, die sie nie wiedersehen.

Oft nutzen Betrüger auch gezielt den Respekt, den Senioren vor Vertretern der Obrigkeit haben, und geben sich als Polizeibeamte aus, um sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen und dort zu stehlen. Aber auch falsche Handwerker schaffen es oftmals leicht, in Wohnungen einzudringen. Einige der Situationen, die auf der Bühne gezeigt wurden, beruhen auf eigenen Erfahrungen der Schauspieler. Andere wurden zusammen mit der Polizei Köln erarbeitet. Im Anschluss stellte sich Kriminalhauptkommissarin Gruneberg von der Hürther Polizei den Fragen der Anwesenden und gab Tipps zur Prävention von Betrugsfällen. Dabei wurde auch deutlich, dass Ältere zwar im Fokus bestimmter Banden stehen, Betrugsdelikte aber generell zunehmen. Gruneberg empfahl, ruhig skeptisch zu sein. Polizisten müsse man etwa nicht in die eigene Wohnung hereinlassen und könne sich zuvor über die Rufnummer 110 bestätigen lassen, ob die Personen vor der Tür echte Beamte sind.

Margit Reisewitz, Vorsitzende der SPD AG 60+, zeigte sich nach der angeregten Diskussion sehr zufrieden: „Vor einem Jahr haben wir bereits eine Info-Veranstaltung zu diesem wichtigen Thema durchgeführt. Es war uns aber wichtig, darauf zurückzukommen. Das Freie Werkstatttheater ist mit seinem Stück ein hervorragender Partner, denn es ist noch einmal etwas vollkommen anderes, wenn man gewissermaßen live miterleben kann, wie solche Betrügereien funktionieren. So kann man nachvollziehen, wie geschickt die Tricks der Gauner sind, und sich dagegen wappnen. Für die hervorragende Zusammenarbeit sind wir von der SPD-AG 60+ Johannes Schumann, Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Gleuel, verbunden. Und natürlich bedanken wir uns beim FWT sowie bei der Raiffeisenbank und der Kreissparkasse, die unser Engagement mit jeweils 1000 Euro unterstützen. Nur wegen dieser großzügigen Spenden konnten wir auf einen Eintritt verzichten. Es ist wichtig, dass solche Institutionen mit uns zusammenzuarbeiten, um alte Menschen zu schützen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihren selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft zu verteidigen.“

 

 

Die Bedeutung des Bielefelder Modells wird anerkannt

Ein Erfolg für unsere Arbeit:

Das Thema „Wohnen im Alter“ hat die AG 60+ der Hürth SPD schon seit ihrer Neugründung vor 5 Jahren im Visier. Dabei wurde auch auf die Bedeutung des „Bielefelder Modells“ hingewiesen.

Die Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (Mehr Information hier)  zusammen mit einem sozialen Dienstleister und der Stadt Bielefeld haben das Modell bereits in den 1990er Jahren entwickelt.

Bei diesem Modell handelt es sich um eine Wohnform, in der auch ältere Menschen selbstbestimmt mit Versorgungssicherheit wohnen können, ohne eine Servicepauschale bezahlen zu müssen. Die Wohnungen sind barrierefrei, ein hauptamtlicher sozialer Dienstleister ist vor Ort und es gibt eine tragende soziale Infrastruktur (z.B. ein Wohncafé). Ein Quartier nach dem Bielefelder Modell besteht aus einem Mix von öffentlich geförderten und frei finanzierten Wohnungen. Es ist nicht nur gedacht für Senioren, sondern für alle Generationen und stellt den Quartiersbezug in den Mittelpunkt.

Wir von der AG 60+ setzen uns seit vielen Jahren dafür ein:

  • Im November 2014 stellten wir das Konzept mit einem Gast aus Bielefeld der Hürther Öffentlichkeit vor.
  • Auf Antrag der SPD-Fraktion  wurde es im März 2015 im Planungsausschuss diskutiert. Die  Mehrheit des Ausschusses lehnte es aber noch ab.
  • Im Oktober 2015 folgte dann eine Präsentation von Rolf Reisewitz im Behindertenbeirat, der sich sehr dafür interessierte.
  • Die GWG Hürth zeigte auch Interesse, das Modell umzusetzen und hat diesbezüglich schon Schritte unternommen .

Jetzt ist ein weiterer Erfolg unserer Arbeit zu verzeichnen: Bürgermeister Breuer hat seinen Widerstand aufgegeben und kann sich vorstellen, auf dem ehemaligen Alucolor-Gelände in Efferen das Bielefelder Modell zu verwirklichen. Wir freuen uns, dass unsere Bemühungen jetzt Früchte zu tragen scheinen. Wie es weitergeht und ob der Standort überhaupt geeignet ist, muss jetzt geklärt werden.