Leben im Alter wird zu immer wichtigerem Thema

Die SPD-AG 60+ lud zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?»

Viele Menschen, die ein ganzes Leben lang erwerbstätig gewesen sind, fallen mit der Verrentung von einem Tag auf den anderen in ein tiefes Loch. Wie aber kann dies verhindert werden? Dieser wichtigen Frage in einer statistisch immer älter werden Gesellschaft widmete sich die Arbeitsgemeinschaft 60+ des SPD-Ortsvereins in Hürth am 14. März mit der Veranstaltung: «Wie kann der Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand gelingen?» Als Referenten hatte die SPD-AG 60+ Wilbert Gregor eingeladen. Der ehemalige Mitarbeiter der ver.di-Landesleitung in Nordrhein-Westfalen ist selbst verrentet und schult in Vorträgen Senioren, Arbeitnehmer und Betriebsräte in Bezug auf Strategien, die den harten Bruch nach dem Arbeitsleben verhindern können.

Gegen den Begriff Ruhestand

Nach Begrüßung der Anwesenden übergab Margit Reisewitz, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Hürth, an den Redner. Der begann seinen Vortrag mit einer künstlerischen Darstellung der zehn Lebensalter des Mannes. Der Druck aus dem 19. Jahrhundert zeigte nicht nur die Entwicklung vom Säugling zum Greis, sie stellte den Mann auch als den Ernährer und Gestalter der Familie in den Vordergrund. In der heutigen Zeit, in der sich das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft verändert hat, sei das berufliche Umfeld größtenteils verantwortlich für Prestige, Selbstwertgefühl und soziale Anbindung, führte Gregor aus. Umso schwerwiegender sei es, wenn mit der Rente dieses Umfeld wegfalle. Dies habe oft sogar Folgen für körperliche und geistige Gesundheit sowie die Lebenserwartung der Ruheständler, ließ Gregor wissen. Der Referent wandte sich an dieser Stelle auch entschieden gegen den Begriff Ruhestand. Er empfände ihn als problematisch, weil er Passivität und Leere suggeriere.

Wilbert Gregor

Arbeitgeber nicht interessiert

Die Strategien, die Gregor vorstellte, um sein Leben auch nach dem Beruf bewusst zu gestalten, fasste er unter zwei Überschriften zusammen: «Aktiver Erhalt der geistigen und körperlichen Fitness» sowie «Frühzeitige Vorbereitung auf den letzen Arbeitstag und die Zeit danach». Vor allem zum letzten Punkt gebe es derzeit noch wenig Forschung, ließ er wissen und unterstrich, dass sich Arbeitgeber dafür auch kaum interessierten, weil ihnen dies wirtschaftlich keinerlei Vorteile biete. Gregor empfahl deshalb, sich mindestens ein halbes Jahr vor Ablauf der Berufstätigkeit auf die Zeit danach vorzubereiten. Allerdings sei es empfehlenswert, viel früher zu starten und sich kontinuierlich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Dazu zählten nicht nur Vorsorgemaßnahmen, ein regelmäßiges Fitnessprogramm, eine ausgewogene Ernährung und maßvoller Umgang mit Alltagsdrogen, sondern auch anhaltende Lernaktivität, Pflege sozialer Kontakte sowie bewusst gelebte Zärtlichkeit bis ins hohe Alter.

„Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer Bewusstseinsveränderung.“

Margit Reisewitz dankte im Anschluss an den Vortrag dem Redner und zeigte sich sehr zufrieden mit den Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum: „Ich freue mich, dass trotz des ungemütlich stürmischen Wetters so viele interessierte Bürgerinnen und Bürger zu dieser Veranstaltung gekommen sind. Trotz der Anhebung des Rentenalters wird die nachberufliche Lebensphase mit steigender Lebenserwartung länger. Diese Lebensphase sollte bewusst und frühzeitig vorbereitet werden, dafür muss aber erst einmal ein Bewusstsein geschaffen werden. Unsere Veranstaltung ist ein Baustein zu einer solchen Bewusstseinsveränderung, die in den kommenden Jahren aus der Gesellschaft in die Politik und Verwaltung getragen werden muss. Die SPD-AG 60+ bleibt am Ball, damit dies auch geschieht

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