Zypern ist ein besonderes Land

Zypern ist die drittgrößte Mittelmeerinsel und gehört geographisch zu Asien, fühlt sich aber Europa verbunden. Dies wurde uns deutlich, als wir den Jahreswechsel in Limassol verbrachten.

Ausgrabungsstätte Chirokitia – Jungsteinzeit

Nicht nur die Spuren aus der Jungsteinzeit und dem Mittelalter sind interessant, sondern auch die aktuelle politische Situation gibt Anlass zu Gesprächen.

Eines dieser Gespräche fand am 3.1.19 mit dem Europa-Abgeordneten Costas Mavridis und Georgios Papaiacovou als Übersetzer statt, der unserer Reisegruppe das Thema Europa und Zypern näher brachte. Er begann mit einem flammenden Bekenntnis zu Europa , besonders zur Rechtsstaatlichkeit (Rule of Law), die ein Alleinstellungsmerkmal Europas gegenüber vielen Staaten der Welt ist.

Costas Mavridis (m) Georgios Papaiacovou (r)

Er erläuterte dann die Situation Zyperns, das eine geteilte Insel mit einer geteilten Hauptstadt ist. Costas Mavridis und auch Georgios Papaiacovu stammen beide aus dem Norden Zyperns und beide schilderten, wie sie die Intervention der Türkei im Sommer 1974 erlebt haben. Diese Erfahrung ist auch nach fast 45 Jahren nicht verwunden; Costas Mavridis schilderte uns, dass es für ihn schwer war, sein Geburtshaus zu besuchen, das jetzt von türkischen Zyprioten bewohnt wird. Denn nach der Invasion wurde jeder dritte Zypriote zum Flüchtling im eigenen Land, 200 000 griechische und 60 000 türkische Zyprioten verließen ihre Heimat und brauchten eine neue Unterkunft.

Bis heute ist das Trauma von 1974 nicht überwunden, die vielen Versuche, eine Einigung herzustellen, sind gescheitert. Am bekanntesten ist der Annan-Plan der Vereinten Nationen von 2004 mit zuletzt 6000 Seiten, der jedoch von den griechischen Zyprioten mit 76% abgelehnt wurde. Laut Costas Mavridis war der Hauptgrund dafür, dass die Türkei ihr Interventionsrecht behalten sollte. Auch die jüngsten Verhandlungen sind im Juli 2017 ergebnislos geblieben.

Seit dem 1. Mai 2004 ist Zypern Mitglied der Europäischen Union. Die Hoffnung, dass sich die Türkei an die EU annähert und dadurch eine Wiedervereinigung ermöglicht wird, hat sich nicht erfüllt. Ein neuer Konfliktstoff ergibt sich aus den Erdgasvorkommen, die im Meer südlich von Zypern entdeckt worden sind und an denen die Türkei Anteil haben will.

Wie kam es nun zu dieser verfahrenen Situation?

Im Sommer 1974 putschte die zyprische Nationalgarde gegen den Erzbischof und Präsidenten Makarios III mit dem Ziel der Enosis, der Vereinigung der Insel mit Griechenland. Makarios wurde zwar gestürzt, aber der Putsch scheiterte. Trotzdem intervenierte die Türkei und griff den Norden der Insel an. Seitdem besteht die Teilung der Insel mit der Republik Zypern im Süden und der Türkischen Republik Nordzypern, die aber nur von der Türkei als Staat anerkannt ist.

Was das Zypernproblem praktisch bedeutet, hat unsere Reisegruppe zweimal erfahren, als wir die „Grüne Linie“ überschritten. So heißt die Demarkationslinie, die den Norden vom Süden trennt, 180 km lang und mehrere Kilometer breit (Pufferzone). Am Grenzübergang werden die Pässe im Bus eingesammelt, die Reiseleiterin gibt sie zur Kontrolle an griechische Grenzbeamte. Überwacht wird die Grenze von Uno-Soldaten, die seit 1964 im Land stationiert sind, um Feindseligkeiten zwischen den Volksgruppen zu verhindern.

Nach der Passkontrolle auf griechischer Seite erfolgt dasselbe Vorgehen auf türkischer Seite. Eine halbe Stunde Wartezeit hat das Ganze gedauert. Zusätzlich wird jeder Reisegruppe ein türkischer Beobachter zugesellt, der mithört, was die Reiseleitung sagt. Es soll schon Verhaftungen von Reiseleitern gegeben haben, die unvorsichtig in ihrer Wortwahl waren.

Beeindruckt waren wir am Schluß unseres Gespräches mit Costas Mavridis, als er eine gerechte Lösung des Zypernproblems forderte, für alle Zyprioten, aber besonders für die junge Generation.

Das Zypernproblem ist eine Herausforderung für Europa, eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht, trotzdem sollte es nicht von der Agenda verschwinden.

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