Ausgetrickst – Nicht mit uns!

Spezialisiert auf Menschen über 85

Die SPD-AG 60+ und der AWO-Ortsverein Gleuel machen mit einem Gastspiel des Freien Werkstatttheaters in der Aula der Hauptschule Kendenich auf Trickbetrüger aufmerksam, die vorrangig Senioren im Visier haben.

Auf Initiative der Hürther SPD-AG 60+ und des Ortsvereins-Gleuel der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gab das Freie Werkstatttheater (FWT) aus Köln am 28. November ein Gastspiel in der Aula der Hauptschule Kendenich. Das Ensemble des Altentheaters richtete sich mit seinem Stück «Ausgetrickst – Nicht mit uns!» an ein älteres Publikum, das statistisch gesehen am häufigsten zum Opfer von Trickbetrügern wird. In dem gemeinsam mit der Polizei Köln sowie dem Sozialwerk der Kölner Polizei e. V. entwickelten Präventionsprojekt standen zwölf Ensemblemitglieder des FWTs auf der Bühne – alle zwischen 66 und 84 Jahre alt. In kleinen Szenen, die nahezu ohne den Einsatz von Requisiten auskamen, zeigten die Schauspieler anschaulich, welche Tricks Betrüger und Diebe bei älteren Menschen anwenden. Und die Gauner, das wurde während der Veranstaltung deutlich, sind ungeheuer kreativ, wenn es darum geht, Senioren zu verunsichern und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

So nutzen Banden bevorzugt das Telefon, um in die Privatsphäre von Senioren einzudringen. Sie geben sich etwa als Mitarbeiter von Microsoft aus und behaupten, einen Virus auf dem Computer des Angerufenen löschen zu wollen. In Wahrheit sind sie auf der Suche nach Kontodaten. Besonders dreist ist der sogenannte Enkel-Trick: Betrüger geben sich bei den Angerufenen als Enkel oder Enkelin aus und üben massiven Druck aus, um in einer angeblichen Notlage Geld zu bekommen. Spezialisiert sind solche Betrüger auf Menschen jenseits der 85, weil diese oftmals vertrauensseliger und im Umgang mit elektronischen Medien unerfahren seien. Vor allem aber scheuen sich Menschen dieser Generation davor, unhöflich zu sein und ihre Zweifel zu artikulieren. Besonders hohe Geldsummen ergaunern sich Trickbetrüger oftmals durch eine Masche, in der sie vorgeben, der oder die Angerufene habe einen wertvollen Preis gewonnen. Ein teures Auto stehe beispielsweise in der Türkei bereit und müsse nur noch überführt werden. Dafür muss der angebliche Gewinner hohe Gebühren entrichten, die über missbrauchsanfällige Zahlmethoden wie Western Union erfolgen sollen. Natürlich tauchen im weiteren Verlauf angebliche Probleme auf, die weitere Zahlungen nach sich ziehen. Die Betrogenen können so rasch extrem hohe Geldsummen bezahlen, die sie nie wiedersehen.

Oft nutzen Betrüger auch gezielt den Respekt, den Senioren vor Vertretern der Obrigkeit haben, und geben sich als Polizeibeamte aus, um sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen und dort zu stehlen. Aber auch falsche Handwerker schaffen es oftmals leicht, in Wohnungen einzudringen. Einige der Situationen, die auf der Bühne gezeigt wurden, beruhen auf eigenen Erfahrungen der Schauspieler. Andere wurden zusammen mit der Polizei Köln erarbeitet. Im Anschluss stellte sich Kriminalhauptkommissarin Gruneberg von der Hürther Polizei den Fragen der Anwesenden und gab Tipps zur Prävention von Betrugsfällen. Dabei wurde auch deutlich, dass Ältere zwar im Fokus bestimmter Banden stehen, Betrugsdelikte aber generell zunehmen. Gruneberg empfahl, ruhig skeptisch zu sein. Polizisten müsse man etwa nicht in die eigene Wohnung hereinlassen und könne sich zuvor über die Rufnummer 110 bestätigen lassen, ob die Personen vor der Tür echte Beamte sind.

Margit Reisewitz, Vorsitzende der SPD AG 60+, zeigte sich nach der angeregten Diskussion sehr zufrieden: „Vor einem Jahr haben wir bereits eine Info-Veranstaltung zu diesem wichtigen Thema durchgeführt. Es war uns aber wichtig, darauf zurückzukommen. Das Freie Werkstatttheater ist mit seinem Stück ein hervorragender Partner, denn es ist noch einmal etwas vollkommen anderes, wenn man gewissermaßen live miterleben kann, wie solche Betrügereien funktionieren. So kann man nachvollziehen, wie geschickt die Tricks der Gauner sind, und sich dagegen wappnen. Für die hervorragende Zusammenarbeit sind wir von der SPD-AG 60+ Johannes Schumann, Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Gleuel, verbunden. Und natürlich bedanken wir uns beim FWT sowie bei der Raiffeisenbank und der Kreissparkasse, die unser Engagement mit jeweils 1000 Euro unterstützen. Nur wegen dieser großzügigen Spenden konnten wir auf einen Eintritt verzichten. Es ist wichtig, dass solche Institutionen mit uns zusammenzuarbeiten, um alte Menschen zu schützen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihren selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft zu verteidigen.“

 

 

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