Orgeln haben ein interessantes Innenleben

AG 60+ besucht die Orgelfabrik Klais in Bonn

Die erste Fahrt der Hürther AG 60+ in 2017 führte am 22.4. nach Bonn zur Orgelfabrik Klais. Die Fabrik (eher ein manufaktur, gegründet 1882) befindet sich seit 1896 in der Kölnstr. 148 in Bonn. Mehr über die Orgelfabrik Klais hier.

Auch die Familie wohnt und arbeitet unter dem Dach der Werkstatt. Die Besucher konnten sich von der Vielfalt der Arbeitsschritte überzeugen, denn eine Orgel zu bauen bedeutet, sowohl handwerkliche als auch musikalische Fähigkeiten zu besitzen.

Die Besucher wurden zuerst ins Holzlager geführt, in dem vorgeschnittene Baumstämme ein bis anderthalb Jahre trocknen müssen, ehe sie verarbeitet werden können.

Die beiden Besuchergruppen wurden in die Funktion der Windladen eingeführt und lernten den Aufbau der verschiedenen Holz- und Metallpfeifen kennen.

Sie sahen auch, wo die Zinnplatten gegossen und die Pfeifen geformt werden, um dann in den Prospekt eingebaut zu werden.

Beeindruckend der Spieltisch mit 94 Registern der Orgel, die im Moment im Bau ist und in die USA geliefert werden soll.

Die Gruppe hatte viele Fragen, die alle kompetent beantwortet wurden. Beispielsweise wurde erläutert, dass eine große Orgel wie die im Kölner Dom schon einmal zwei Millionen Euro kosten kann. Auch die Orgel der Elbphilharmonie ist von Klais gebaut worden. Eine alte Sitte ist es, dass der Auftraggeber das Volumen der größten Pfeife der Orgel in Wein liefern muss, den die Mitarbeiter nach dem Bau genießen können.

Dies ist eine 16 Fuß-Pfeife (Fis). Die größte Pfeife im Kölner Dom ist doppelt so groß.

Ein beeindruckender Besuch mit vielen interessanten Informationen. Wir freuen uns auf die nächste Fahrt am 24.5.17, die nach Aachen geht.

 

Clubkonzert gegen Rechts – Martin Schulz im Kölner Stadtgarten

Am Tag des AfD-Parteitages in Köln setzte die SPD ein Zeichen gegen rechts- mit einem Konzert im Kölner Stadtgarten, bei dem Shahin Najafi auftrat, der aus dem Iran geflohen ist, weil er mit einer Fatwa bedroht wird. Er wurde von Günter Wallraff aufgenommen, der auch auf der Bühne stand.

Die Bundes-SPD hatte zu diesem Konzert eingeladen, bei dem Martin Schulz klar Stellung bezog: eine Partei, in der Frauke Petry als gemäßigt gilt, ist eine Schande für Deutschland.

Aber auch zu Themen des Wahlkampfs äußerte sich Martin Schulz, er forderte mehr Respekt der Gesellschaft ein und zwar gleichermaßen für den Busfahrer wie für den Chefarzt. Auch attackierte er prekäre Arbeitsverhältnisse, eine Haltung, die sehr zu begrüßen ist, zeigt doch die aktuelle Diskussion in Hürth, bei der es um Honorarkräfte für die Musikschule geht, dass das Thema sehr aktuell ist. Solche Arbeitsverhältnisse programmieren Altersarmut.

Leider musste Martin schon nach einer Stunde wieder nach Berlin, aber im Hinausgehen war doch noch ein Foto möglich.

Auch in Hürth gibt es Armut

Am 3.3.17 hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Deutschland seinen Armutsbericht vorgestellt. Danach ist die Armutsquote in Deutschland erneut gestiegen, wie sie es seit 10 Jahren tut. Inzwischen leben 15,7% der Deutschen unterhalb der Armutsschwelle, als arm gilt, wer wengier als 60% des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

Das bedeutet  für eine allein stehende Person ein Einkommen von 979 EUR monatlich (11.749 EUR im Jahr). Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt der Schwellenwert bei 2.056 EUR im Monat (24.673 EUR im Jahr) (Stand: 2015). Hierbei werden staatliche Leistungen mit einbezogen.

Auch die Bundesregierung hat ihren Armuts- und Reichtumsbericht gerade veröffentlicht. (5. ARB) .

Was können wir in Hürth beobachten?

Die systematische Datenerfassung ist leider schwierig.  Nicht alle wünschenswerten Zahlen konnte ich für den gewünschten Stichtag ermitteln.  Unterschiedliche Institutionen (z.B: Jobcenter, Stadtverwaltung, Bundesamt für Statistik) erfassen die Daten in unterschiedlicher Form  (Zeitpunkte, Altersgruppen etc, Bezugsgrößen). Auch können Prognosen durch Zu- und Wegzug verfälscht werden. Trotzdem kann man einiges für Hürth erkennen  und daraus Handlungsbedarf ableiten.

Ein wichtiges Merkmal ist der Anteil der Bezieher von Leistungen nach SGB II in der Gesamtbevölkerung.

Quellen Bundesamt für Statistik und Sozialraumbeschreibung Hürth 2015

Danach ist es in Hürth etwas besser als im Bundesdurchschnitt.

Kinderarmut

Hierbei trifft es am häufigsten alleinerziehende Eltern, in Hürth sind es ungefähr ein Fünftel der Eltern.

Zur Verbesserung der Verständlichkeit haben wir die Altersgruppen in der Breite nach der Anzahl der Jahrgänge dargestellt. Man sieht, dass in den nächsten Jahren zunächst die Jahrgangsstärken zurückgehen und nach einigen Jahren wieder ansteigen.

Der niedrigere Anteil an SGB II Personen in der Altersgruppe bis 20 Jahre lässt vermuten, das ein erheblicher Anteil der jungen Menschen über 18 eine auskömmliche Arbeit findet.

Die Anzahl der jungen Menschen in SGB II ist leicht rückläufig. Ein Teil des Effekts liegt vermutlich in den schwächeren  nachwachsenden Jahrgängen, ein anderer Teil in einer leicht verbesserten Konjunktur.

Altersarmut

Doch nicht alle Zahlen lassen auf Besserung hoffen.

Hier ist die Dunkelziffer hoch, jährlich werden in Hürth etwa 10 Fälle bekannt, die mit der Beantragung der Grundsicherungsleistung gezögert haben, obwohl sie bereits längere Zeit vorher hilfebedürftig und anspruchsberechtigt gewesen wären.

Der Anteil an Senioren mit Grundsicherungsleistungen wächst.  Die Ursachen dürften in der Rentensenkungspolitik der vergangenen Jahre liegen und im Trend zu prekären Arbeitsverhältnissen. Ersparnisse in den Lohnnebenkosten rächen sich später in höheren Grundsicherungskosten. Das Rententhema ist ein Bundesthema, das im kommenden Bundestagswahlkampf eine große Rolle spielen wird.

Prekäre Arbeitsverhältnisse können hier in Hürth auch heute schon durch eine verantwortungsbewusste, weitsichtige Politik vermieden werden.

Wohnen

Ein weiterer Indikator für einen bedenklichen Trend ist die Obdachlosigkeit.

Auch in Hürth gibt es das Problem der Obdachlosigkeit, zwar unterhält die Stadt Hürth vier Gebäude für die Unterbringung von Obdachlosen, die aktuell mit 91 Personen belegt sind (Mitteilung der Verwaltung im BSI v. 23.11.16),. Die Zahl Obdachlosen mag man als klein ansehen. Sie ist aber aber Zeichen für eine immer schwieriger werdende Situation auf dem  Wohnungsmarkt in Hürth. Die Mietpreise steigen für alle, auch für Bezieher kleinerer Einkommen, z.B. junge Beamtenfamilien.

Hier kann und muss die Stadt eine bessere Politik verfolgen, indem sie für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgt. Viertel wie Efferen-West (  auch „Klein-Marienburg“ genannt) helfen da wenig.

Es gibt auch Hilfen

von der Stadt

Nun ist Hürth aber nicht ohne Unterstützungssysteme, die versuchen, Armut zu mildern. Es gibt die Möglichkeit, über den Hürth-Pass Vergünstigungen bei der Nutzung von Schwimmbad, Stadtbücherei und Musikschule zu erhalten. Aktuell gibt es in Hürth 497 Hürth-Pass-Inhaber. (Regelsatz für Alleinstehende nach SGB II 409 Euro im Monat).

von Ehrenamtlern

Hürth-Pass-Inhaber haben auch das Recht, Lebensmittel von der Tafel zu beziehen, die sich in der Kölnstr. 14  befindet.

Für 8 Euro im Monat haben Bedürftige das Recht, bis zu zwölfmal Lebensmittel zu erhalten.Die Tafel gibt montags, mittwochs und freitags Lebensmittel aus, die zur Unterstützung des Lebensunterhaltes dienen sollen. Im Januar 2017 wurden von der Tafel 307 Familien mit 819 Personen versorgt, davon ungefähr 300 Kinder.

Außerdem leistet das Klamottenlädchen des ZMO an der Luxemburgerstr. 337 Hilfe, wenn Bekleidung oder Hausrat benötigt werden.

Öffnungszeiten:

Mo, Mi, Fr 10-13 Uhr

Di, Do 16-18 Uhr

Seit Juli 2016 gibt es das Gewandhaus in der Friedrich-Ebert-Str. 11 im ehemaligen Kreishaus, zu erreichen über den Parkplatz des Altenheims St. Ursula.

Auch hier liegt der Schwerpunkt auf Bekleidung, es gibt aber auch Hausrat, Handtücher und Bettwäsche. Die Bekleidung ist nach Größen geordnet und getrennt nach Erwachsenen und Kindern . Alle, die entweder einen Wohnberechtigungsschein, Hürth-Pass oder einen Nachweis des Jobcenters vorlegen, können sich für wenig Geld einkleiden. Das Gewandhaus so wie die anderen sozialen Einrichtungen werden durch Spenden versorgt und suchen ehrenamtliche Mitarbeiter.

Hier sind die Öffnungszeiten:

Mo         10-14 Uhr

Di, Do  16-20 Uhr (feiertags geschlossen)

Was nötig ist!

So hilfreich diese ehrenamtliche Unterstützung ist, die verbilligten Zugang zu Kleidung, Hausrat, Lebensmitteln oder städtischen Einrichtungen schafft, kann sie doch nicht die Hilfe des Staates ersetzen. Hier braucht es Information der Betroffenen, passgenaue Angebote und besondere Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder. Besonders beunruhigend ist die Entwicklung, die die Zahlen der Bedürftigen ansteigen läßt, wobei es wohl eine nicht zu vernachlässigende Dunkelziffer gibt. Hier muss mehr soziale Gerechtigkeit hergestellt werden, es ist nicht hilfreich, wenn das Problem kleingeredet oder gar ignoriert wird  (siehe Blogbeitrag vom 25.9.16) . Es gilt, sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen.

Vieles muss in Berlin erledigt werden  (z.B. Rentenpolitik).

Was kann man noch in Hürth tun?

  • Bestandsaufnahme aktueller Sozialraumdaten,
    um besser eingreifen zu können
  • eine Wohnraumpolitik auch für kleinere Einkommen
  • Ausbau der Schuldnerberatung, um auch präventiv tätig sein zu können.

 

Die SPD Hürth wünscht frohe Ostern

Der Landtagswahlkampf hat begonnen!

Mit Standaktionen, Verteilen von Infomaterial, wobei auch Osterhasen und Eier nicht fehlen durften, hat der Wahlkampf begonnen, der die Wahl am 14.5.17 vorbereiten soll. Geplant sind noch weitere Standtaktionen, Verteilungen und Diskussionsrunden im Mai.

Brigitte Dmoch-Schweren (mitte), Antonina Dietze (rechts), Margit Reisewitz (links)

Mit Brigitte haben wir eine engagierte Lamdtagsabgeordnete, die für die Menschen eintritt.  Wir unterstützen sie mit ganzer Kraft!

Goldenberg-Europakolleg und weiterführende Schulen vereinbaren Kooperation

Zu einem runden Tisch der weiterführenden Schulen hatte das Goldenberg-Europakolleg am 3.4.17 eingeladen, um die Bildungsgänge und die Arbeit des Berufskollegs vorzustellen und Bedarfe und Kooperationsmöglichkeiten mit den anderen weiterführenden Schulen auszuloten. Alle Schulen der Sekundarstufe waren der Einladung gefolgt, die ich im Namen des Schulleiters, Herrn Herwartz, ausgesprochen hatte, so dass Hauptschule, Realschule, die beiden Gymnasien und die Gesamtschule vertreten waren.

(vrnl) Frau Drechsler, Herr Herwartz, (beide Goldenberg-Kolleg) Frau Reisewitz

Herr Herwartz stellte zuerst die Bildungsgänge dar, die an seiner Schule durchlaufen und zu verschiedenen Abschlüssen geführt werden können, das reicht vom Nachholen des Hauptschulabschlusses Klasse 9 über den mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) über die Fachhochschulreife bis zur allgemeinen Hochschulreife mit der Befähigung zum Universitätsstudium. Das Goldenberg-Europakolleg bietet sowohl Berufsvorbereitung (bei fehlendem Hauptschulabschluss) als auch die Möglichkeit an, nach Abschluss der Berufsfachschule und Qualifizierungsvermerk die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Die Bildungsgänge sind so vielfältig, dass sie zwei DIN-A 3 Blätter benötigen, um dargestellt zu werden. Herr Herwartz warb dafür, diese Möglichkeiten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, er meinte, dass schon die Eltern der Viertklässler mit einbezogen werden müssten, damit für die Schüler Umwege vermieden werden, denn viele Jugendliche sind besser im Beruf aufgehoben als in einem Studium.

(vrnl) Frau Willenbrink(ASG), Herr Welz, Herr Schröder (beide EMG)

Aktuell besuchen das Goldenberg-Europakolleg 1979 Schüler, davon 70% die Berufsschule. In einer internationalen Förderklasse werden Flüchtlinge auf die Anforderungen des Schulbesuchs vorbereitet, teilweise ist es nötig, sie zu alphabetisieren. Praktika (auch im Ausland) spielen im Bildungsgang des Goldenberg-Europakollegs eine große Rolle. Hier erkennen die Schüler am besten, wofür sie lernen. Bei einem Rundgang durch die Werkstätten der Schule wurde der Praxisbezug deutlich.

(vrnl) Frau Siegmann, Frau Scherer (beide Friedrich-Ebert-Realschule), Frau Röbel (Hauptschule Kendenich), Frau Sommer (Gesamtschule)

Anschließend wurden die Möglichkeiten der Kooperation diskutiert. Die Beratung durch das Berufskolleg an den Gymnasien soll ausgebaut werden, um den Eltern klarzumachen, dass Alternativen zur Laufbahn am Gymnasium bestehen. Die Berufsfelderkundung, die jetzt für Klasse 8 an allen Schulen verbindlich ist, soll vom Goldenberg-Europakolleg unterstützt werden zum Beispiel durch gegenseitige Hospitationen. Vereinbart wurde auch, einen Arbeitskreis der Berufswahlkoordinatoren aller Schulen zu bilden, um sich auszutauschen und Kooperationen zu vereinbaren. Das erste Treffen findet statt am 29.5.17 um 14 Uhr im Goldenberg-Europakolleg . Der Schulleiter, Herr Herwartz, wird zur nächsten Stadtschulleiterkonferenz im Oktober eingeladen.

Damit hat der runde Tisch bereits Früchte getragen und der Startschuss ist gegeben für eine engere Zusammenarbeit der weiterführenden Schulen, die sicher für alle Beteiligten vorteilhaft ist.